EDEN

Die Netflix-Serie „EDEN“ ist mir heute direkt ins Auge gefallen. Erstens, weil es unter „Populär“ aufgeführt ist und zweitens, weil es sich ziemlich gut mit dem deckt, was ich doch recht gerne schaue. Nunja – zumindest hat Netflix das geglaubt.

In vier Folgen zu jeweils 25 Minuten (von denen 5 Minuten Abspann sind) wird hier eine eher dystopische Sicht der Menschheit (mal wieder) erzählt…und wie nur wenige Überlebende im Kälteschlaf verbringen, während die Roboter den Planeten wieder „bewohnbar“ machen sollen. Wobei – ob es nun wirklich Planet, oder nur eine kleine Ecke ist, wird in den vier Folgen nicht wirklich gesagt oder drauf eingegangen, da dafür schlicht die Zeit fehlt. Insgesamt ist die Handlung eh EXTREM dünn und erinnert mich eher an ein OneShot-RPG, bei dem man nur möglichst schnell vorgefertigte Charaktere im schnellen Vorlauf vorstellt und auf Dinge wie Tiefgang verzichtet.

Ohne groß inhaltlich spoilern zu wollen – denn so ziemlich jedes Wort, was ich dazu verliere, wäre aufgrund der Flachheit des Plots, den man problemlos auf einen Bierdeckel schreiben könnte (und man muss sich dabei nicht einmal Mühe geben, besonders klein zu schreiben), ist bereits ein Spoiler, der große Teile der Geschichte vorwegnimmt – ist es, Anime-typisch, an einem kleinen Mädchen, die Welt bzw. die Menschheit zu retten.

Die übrigen Charaktere, die vorgestellt werden und NICHT Roboter sind (die rund 95% des Casts ausmachen. Immerhin – freut sich das Lokalisationsstudio. Weniger Lippenbewegungen zu synchronisieren), sind ebenfalls so flach, die Story so vorhersehbar und klischeebehaftet, dass man sich schon fragen muss, warum man nicht direkt den kompletten Bogen gemacht und noch viel mehr geklaut hat. Damit hätte man die Länge der Serie, die mit insgesamt – exklusive Vor- und Abspann – keine 80 Minuten und damit selbst für einen Anime-Kinofilm schon recht kurz geraten wäre.

Die Ausrede, dass man ja nicht so viele Animateure oder sonstigen Kreativen in Coronazeiten beschäftigen könne, will ich hier überdies auch nicht gelten lassen, denn – „Netflix Original Series“-typisch ist da genau NICHTS gezeichnet, sondern kommt 1:1 direkt aus dem Computer. Etliche der Effekte sehen aus, als wären sie direkt aus Unity oder Blender exportiert, dann noch ein Cel-Shading-Filter drübergelegt und mit Ton angereichert worden. Auch die Musik ist überraschend nebensächlich und lässt Dramaturgie vermissen.

In der Theorie wäre das Setting vielleicht ganz interessant gewesen, aber durch das Abhetzen in der Handlung, die unglaublich flachen Charaktere, die Nichtexistenz von Charakterentwicklung, die Einfallslosigkeit des Settings und die – trotz der Kürze der Serie bzw. des FILMS, der lediglich in vier Teile geschnitten wurde – durchaus vorhandenen Plotholes – plus noch die Tatsache, dass dieser Animationsstil in meinen Augen einfach nur eine Unverschämtheit für den geneigten Betrachter ist, bekommt die Serie „EDEN“ so nur 2 von 7 möglichen Löwen von mir.