Mikro-Aggressionen über ein nerviges Detail…

Je mehr ich so Filme und Serien, die in den USA sehe, in denen Wein getrunken wird (und das nimmt in letzter Zeit immer mehr zu), umso mehr gehe ich an die Decke, wenn ich sehe, wie der durchschnittliche Ami das Weinglas in Händen hält. Selbst eine Freundin von mir aus England neigt dazu, mit der Hand den Glaskelch zu umschließen und das Weinglas wie einen Cognacschwenker zu führen. Und so richtig das im Falle von Cognac auch sein mag, umso mehr bringt mich das bei Wein – insbesondere bei Weisswein – in Rage.

Die Faustregel „Ein Glas, das einen Stiel hat, fasst man auch an diesem – und NUR an diesem – an!“ hat nämlich einen wirklich wichtigen Grund: Wein hat seine ideale Trinktemperatur. Das ist eine Temperatur, bei dem das Aroma des Weins ideal ist, sich die „Blume“ seines Aromas entfalten kann. Und ja, selbst die Glasform ist je nach Art des Weins durchaus wichtig und für den Genuss relevant.

Klar, es gibt Menschen, die kippen sich Wein und Co. einfach nur runter, weil sie Alkohol konsumieren wollen. Umgangssprachlich nennt man diese Leute auch „Wirkungstrinker“. Andere wiederum – und das unterstelle ich diesen Amis einfach mal – trinken Wein, weil sie meinen, es wäre „chic“ oder sie würden dadurch besonders „edgy“ aussehen. Einem Liebhaber von Wein und edlen Getränken – denn ja, auch Wein ist eher ein edles Getränk – wie mir, stellen sich bei sowas allerdings die Haare zu Berge.

Wer das Weinglas am Körper mit seinen Patschern anfasst, der überträgt seine Körperwärme auf den Wein – und die wenigsten Menschen haben eine Körpertemperatur auf Wein-Trinktemperatur (die bei Rotweinen zwischen 12-16 Grad, bei Weissweinen dagegen bei rund 8-10 Grad liegt. Bier hat btw. seine ideale Trinktemperatur bei um die 7 Grad) – und lässt ihn so schnell an Aroma verlieren. Alles, was einen guten Wein auszeichnet, verschwindet mit jedem Grad oberhalb der idealen Trinktemperatur – und ist er erstmal bei um die 20 Grad angelangt, kann man einen guten, teuren Wein geschmacklich eh nicht mehr von der TetraPak-Plörre von der Tanke unterschieden. Spätestens ab da ist das Trinken von einem „teuren“ Wein sowieso nur noch Show.

Ja, genau so ein Mist bringt mich innerlich auf die Palme verdammt nochmal.

Grundrecht auf Krach und Krawall?

Immer wieder lese ich Dinge von „Verbotspolitik“, wenn regulatorisch eingegriffen wird – dabei sind viele dieser Eingriffe lediglich dem geschuldet, worauf wir uns eh schon EIGENTLICH geeinigt haben und dem EIGENTLICH keiner widersprechen können sollte: Dem ordentlichen und respektvollen Umgang miteinander und Rücksichtnahme auf die eigenen Mitmenschen sowie die Umwelt.

Umso mehr verwundert mich, dass mit immer neuen Ausreden und Lamentiererei der Krach, den etliche Autos und auch viele Motorräder ausstoßen, genau GAR NICHT hin gehandelt wird. Dabei haben wir dafür ein EIGENES GESETZ: Das BImSchG – oder, lang geschrieben: Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge.

Ja, da ist SEHR viel Prosa, aber ich will einmal das, was da in viel zu viele Paragrafen gegossen wurde, so zusammenfassen: „Lärm“ ist nur so lange zulässig, wie er für den bedarfsgerechten Zweck UNVERMEIDLICH ist.

An dieser Stelle möchte gerne einmal EINE Frage stellen: Wenn es Motoren gibt, die WESENTLICH leiser funktionieren und dennoch die selbe Leistung erbringen, mit welcher Rechtfertigung werden dann noch Motoren, die ein VIELFACHES davon an Lärm und Abgas produzieren, überhaupt noch zugelassen? Warum stellt sich die Frage, ob man nun auf den Verbrennungsmotor ODER den Elektromotor setzt, wenn Letztgenannter nahezu geräuschlos agiert, während bei ersterem Dinge wie Klappenauspuff und röhrender Lärm als „akzeptables Betriebsgeräusch“ toleriert werden? Und warum dürfen Motorräder mit offenen Abgaseinrichtungen, OHNE Katalysator, OHNE Schalldämpfer und dafür der Geräuschkulisse von mittleren Industrieanlagen überhaupt noch auf den Straßen fahren – schlimmer noch: Neu gebaut und ZUGELASSEN werden?

Wir haben Gesetze – aber keiner (insbesondere kein CSU-Minister. Warum sollte man auch – wenn man sich brav weiter von den Herstellern dieser Lärmproduzenten mit gut gefüllten, schwarzen Koffern den Ruhestand versilbern lassen kann?) will sie entsprechend umsetzen und die Hersteller (weil ja, DIE sind meiner Meinung nach diejenigen, die als Erstes zur Rechenschaft gezogen werden sollten! Nicht immer alles auf den kleinen Mann abwälzen!) dazu verdonnern sollten, Mobilität modern zu halten. Und „modern“ meint eben auch, dass es keine unnötigen Lärm- und Abgasemissionen gibt, die, wenn man nach dem heutigen Stand der Technik arbeiten würde, vermeidbar wären.

Das es gegen sowas bereits wirksame Hebel gibt, kann man btw. an JEDEM Flugplatz erleben. Da werden Landegebühren nämlich anhand Flugzeuggewicht und -lautstärke entsprechend erhoben.

Gebührenordnung eines kleinen Flugplatzes

Grob kann man sagen: Je lauter und schwerer eine Maschine ist, umso teurer ist die Landung mit ebendieser. Das mag bei EINER Landung nicht sooo sehr ins Gewicht fallen, wenn man aber bedenkt, dass man mindestens 20-40 Landungen in 2 Jahren nachweisen muss, um überhaupt seine Lizenz zu behalten, summieren sich die Mehrkosten dafür, eine lärmende, zu schwere Maschine zu fliegen, doch recht schnell und heftig. Warum eine ähnliche Gebührenordnung für Kraftfahrzeuge bis zum heutigen Tage fehlt und lediglich Dinge wie Hubraum oder CO2-Ausstoß (wobei bei Letzterem die erwiesenermaßen geschönten Werte der Industrie herangezogen werden, statt den Realausstoß zu besteuern) genutzt wird, weiß wohl auch wieder nur die CSU und deren industrienaher Lobbyismus.

Das Lärm krank macht, ist keine Neuigkeit. Von daher sollte es im Interesse von ALLEN sein, aktiv etwas dagegen zu tun. Warum unsere Politik da nicht nur nichts gegen unternimmt, sondern im Gegenteil sogar noch aktiv mögliche Gegenmaßnahmen torpediert, sollte den Menschen einmal wirklich zu denken geben…

Rasen ist (k)ein Grundrecht!

Heute wieder einmal live auf der Straße erlebt – und möglicherweise war ich sogar Zeuge des Fahrers, der sich und seine drei Insassen heute wieder mal selbst in den Tod gefahren hat – wie Menschen ohne Sinn und Verstand auf der Straße zu Monstern, zu Idioten, zu Egomanen und Möchtegern-Rennfahrern mutieren oder wahlweise fahren, als wären sie ganz allein auf der Straße und hätten vergessen, einen Motor einzupacken.

„Autofahren ist Charaktersache“ pflegt meine Großtante immer zu sagen. Etwas, das sie selbst von ihrem damaligen Chef mitgegeben bekommen hat, der es zu seinem Mantra gemacht hatte und damit laut ihrer Aussage einige seiner Kollegen brüskiert hat, die meinten, ein „SO ein schlechter Mensch bin ich aber nicht“ als Verteidigung anzubringen.

Das ich nicht zu diesen schlechten Menschen und wahnsinnigen Autofahrern zähle, kann ich btw. seit diesem Wochenende schriftlich bezeugen, habe ich doch bei meinem ersten Fahrtangebot bei der Mitfahrzentrale (WENN ich schon eine weite Strecke mit meinem Wagen fahre, statt die Bahn zu nehmen, DANN möchte ich doch wenigstens den freien Raum teilen – das ist klimafreundlich und kostet mich im schlechtesten Fall einen kleinen Schlenker, um jemanden einzusammeln und auch wieder abzusetzen) von meinen Fahrgästen die volle Punktzahl bekommen habe. Und ja, da bin ich wirklich absolut stolz drauf. Dennoch muss ich einräumen, dass auch ich nicht aus Stein bin und mich durchaus emotional über meine Mitmenschen aufregen kann, wenn diese entweder meinen, mir DERART dicht aufzufahren, dass sie mir problemlos das Kennzeichen polieren oder sogar die Hände schütteln können, wenn bei Fahrern die Köpfe scheinbar in Schraubstöcke gespannt sind und Scheuklappen auch garantieren, dass nicht nach links oder rechts geschaut wird oder eben das Ego verbietet, sich von Wagen X überholen zu lassen.

Noch wesentlich schlimmer als jene, die gern meinen, Tempolimits lediglich als freundliche Empfehlung zu verstehen und sich folglich meist lediglich mit dem Doppelten begnügen, jeden anderen, der meint, ihnen im Weg zu stehen, am liebsten mit montierten Kuhfängern von der Piste zu schieben oder notfalls einfach mal Standstreifen, Auffahrt oder gar den Grünstreifen links neben der linken Spur (nein, kein Witz! Das habe ich wirklich schon so erlebt…) zu nutzen meinen, um sich schneller nach vorn zu drängeln, waren an diesem, langen Wochenende leider die autofahrenden Damen in Österreich. Nicht etwa, weil diese so überaus schnell unterwegs waren, sondern einfach, weil sie nach dem Motto „Jo mei! Ich hab vergessn, wos a Zebrastreifn ias“ gefahren und meiner Freundin und mir, die wir eben jenen Überweg gerade betreten hatten, brav die Vorfahrt nahmen.

Und nein, das ist kein Frauen-Bashing, wie es mir anfangs unterstellt wurde (das wäre es gewesen, wenn ich mich beim ersten Mal schon über die Tatsache, dass es eine junge Mutter (inklusive Tochter auf dem Beifahrersitz. Und ja, zu jung, als dass sie dort hätte sitzen dürfen, dafür aber wenigstens nicht angeschnallt) war, aufgeregt hätte. Als es uns zum ZWEITEN Mal an einem Überweg passierte und es erneut eine Dame war, scherzte ich schon, dass es langsam „statistisch signifikant“ würde. Doch nach dem dritten und vierten Vorkommnis (jeweils immer an einem anderen Überweg. Und ja, es waren wirklich JEDES Mal Damen hinterm Steuer) war nicht ich es, sondern meine Freundin, die den Kopf schüttelte und sich fragte, ob die Damen denn schlicht nicht wüssten, dass es noch andere Menschen außer ihnen auf der Welt gibt.

Tatsächlich ist das denke ich das größte Problem an der Sache: Die Ignoranz und das bewusste Ausblenden der anderen Menschen. Wie in so vielen, anderen, gesellschaftlichen Bereichen wird der Gegenüber, werden die anderen Menschen ausgeblendet, das eigene Ego überzeichnet und als wichtiger betont. Das man auf der Straße nur weiter kommt, wenn man sich an Regeln hält, Rücksicht nimmt und Egoismus irgendwann im Grab endet (wie man in dem Nachrichtenartikel lesen kann), ist den wenigsten Menschen klar. Und auch unsere Politik ist lieber groß darin, die Freiheiten zu betonen, statt die damit verbundene Verantwortung, die mit Freiheit stets einher geht. Und selbst unsere Polizei, die alles kontrollieren und für Ordnung sorgen soll, wirkt zumeist überfordert und lässt viel zu viel durchgehen, hält sich stellenweise selbst nicht an die Regeln, obwohl sie doch als Vorbilder agieren sollten.

Ich wäre so glücklich, wenn wir auf den Straßen wirklich solidarisch, rücksichtsvoll, vorausschauend und verständnisvoll sein könnten. Natürlich kann nicht alles perfekt sein – Menschen sind nun einmal Menschen und machen immer mal Fehler – doch wenn ein einzelner einen Fehler macht, kann dieser durch Rücksicht und das vorausschauende Handeln der anderen wieder ausgebügelt werden. Jedoch: Derjenige, der den Fehler gemacht hat, sollte auch in der Lage und fähig sein, den gemachten Fehler einzusehen, daraus zu lernen und ihn nicht zu wiederholen. Hier jedoch sieht man mittlerweile eher das Gegenteil – der Fehler wird quasi zur Normalität, das Rasen als Selbstverständlichkeit verstanden. Und GENAU DAS ist, was nervt.

Von spezifisch – auf ganz allgemein

Wo ich die „Rant“-Ecke schon habe und damit meinem Frust Platz schaffen kann, will ich doch direkt mehrere direkt ankreiden bzw. über eben jene abranten, weil es mich schlicht auf die Palme bringt.

Aber ganz gleich, welches Thema ich auch aufgreife – seien es die bollernden Motorräder, die auf und ab über die Landstraße und Stadtstraßen knattern, die aufheulenden Motoren von eher südländisch, osteuropäisch oder schlicht eher clerasilierten Schmalzlocken-Jünglingen und ihren, von der Bank oder Papa geliehenen Karren, der alte Oppa, der meint, einem im Supermarkt die letzte Packung Eier aus dem Einkaufswagen zu mopsen oder die Karen, die den gesamten Betrieb aufhält, die Verkäuferin zur Sau macht und lautstark nach dem „Manager“ krakeelt – sie alle haben eines gemein, können mit einem einzigen Wort umschrieben werden.

Egomanen.

Menschen mit einer gestörten Umgebungswahrnehmung, die primär nur sich selbst sehen und nicht einsehen können, dass unsere Gesellschaft eben nur funktioniert, wenn man GEMEINSAM auskommt und hier und da auf einen anderen angewiesen ist, andere Menschen ggf. auch Rechte haben und entsprechend behandelt werden sollten, jene Menschen Respekt verdient haben und man mit dem, was man tut, eben jenen Menschen auch Schaden zufügen oder sie mindestens nerven könnte – genau solche Menschen sind es, die mir regelmäßig die Hutschnur platzen lassen. Dabei ist das Zusammenleben doch normalerweise so einfach, wenn man denn hin und wieder von seinem hohen Ross absteigt und seinen Gegenüber einmal direkt anspricht und sagt, was einen stört und was man gerne anders hätte. Der Gegenüber wiederum sollte auf eben jenes Gesprächsangebot zumindest so weit eingehen, dass er es sich anhört – denn nur im Dialog bekommt man Differenzen aus dem Weg geräumt.

Und ja, da sind wir direkt im nächsten Problemfall: Menschen verweigern sich bewusst dem Dialog. Sei es durch ihre Grundhaltung, durch Taten oder eben die Tatsache, dass man von vornherein erkennen kann, dass selbst die Bereitschaft, den Diskurs zu beenden, als Schwäche des Gegenübers angesehen wird. Weil ja – aus IRGENDEINEM Grund hat sich in unserer Gesellschaft durchgesetzt, dass eben jener, der nachgibt, der den Konsens sucht, der „verhandeln“ will und damit dem Konflikt aus dem Weg geht, der Schwächere sein muss. Das dieser schlicht das Schwert in der Scheide stecken lässt, weil ihm nicht nach einem Blutbad ist, verliert gänzlich an Bedeutung und Gewicht. Im Gegenteil wird dieser, auch wenn er der Stärkere gewesen wäre, hinterher ausgelacht und als Weichei bezeichnet.

Das wirklich Böse an der Situation ist, dass man, wenn man jene Egomanen als Gegner hat, NUR verlieren kann. Man verliert, wenn man verhandelt und mit ihnen spricht, weil sie einen ja schließlich „mit Worten entwaffnet“ haben und somit die „Sieger der Herzen“ sind – oder man verliert, weil man sich im Gegenteil eben NICHT entwaffnen lässt, seinen Kontrahenten somit besiegt und dieser so den „Underdog“-Status erlangt, der ja lediglich „vom Stärkeren niedergeknüppelt“ wurde. Und wenn jemand so gewaltsam zum Schweigen gebracht wird, dann „muss da ja wohl was dran sein“. Selbst ein Ignorieren der Situation adelt den Egomanen, der sich dann unangefochten als Sieger feiern kann.

Kurzum: Es sind Leute, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Und genau das ist, was mich so sauer macht. Denn Menschen, die NICHTS für die Gesellschaft leisten – außer eben einfach „da“ zu sein – und im Gegenzug sogar noch Kraft aus der Gesellschaft herausziehen, dafür aber lautstark verlangen, immer mehr zu bekommen, sind eine Belastung für das Zusammenleben, der man leider einfach nicht Herr wird. Und mich frustet genau das unglaublich. Das Allerschlimmste ist da nur noch, dass die Gegenüber nicht einmal begreifen (können/wollen), warum man gerade fast vor Wut platzt und sich stattdessen königlich über die scheinbare Dummheit ihres Gegenübers lustig machen. Die Hoffnung, es ihnen so erklären zu können, dass sie es auch verstehen, ist indes schon lange in mir gestorben.

Ich zweifle nämlich bei jenen Leuten gewiss nicht die Fähigkeit an, Erklärungen von mir verstehen zu können, sondern den grundsätzlichen Willen, es überhaupt versuchen zu wollen. Jemand, der sich dem Versuch eines Konsens von vornherein verweigert, ist verloren.

Entitled People – Alte Leute und Frauen…

Auch wenn mir oft schon anderes nachgesagt wurde – ich bin ein freundlicher und verständnisvoller Mensch, helfe gern und agiere damit hoffentlich auch vorbildlich. Dennoch muss ich sagen, dass mir so manche unserer Mitmenschen doch gehörig das Leben dadurch schwer machen, dass sie meinen, die gesellschaftlichen Regeln würden für sie nicht mehr gelten.

Nehmen wir mal den Einkauf im Supermarkt als Beispiel. Ein Discounter, ein Gang, der gerade breit genug ist, damit zwei Einkaufswagen nebeneinander hindurch passen. Mit traumwandlerischer Sicherheit ist es dann normalerweise eine Frau, die den Wagen QUER in den Gang stellt, selbst noch ein paar Schritte daneben stellt, die Hand gerade noch so am Griff des Wagens, damit der Gang auch wirklich mit absoluter Sicherheit VOLLENDS blockiert ist und garantiert NIEMAND mehr vorbeikommt. Bonuspunkte gibt es dann noch dadurch, dass alle, die es dennoch versuchen, wahlweise mit dem Blick des Todes, blöden Sprüchen oder handfesten Beleidigungen bedacht werden Marke „Können sie nicht warten?!?“

In die selbe Kerbe schlagen auch beängstigend oft ältere Leute – hier gilt die Faustregel „je grauer, umso frecher“. Und damit das ganze auch fair bleibt, sind hier Männlein wie Weiblein in etwa gleich drauf. Da wird mit einer Selbstverständlichkeit an Schlangen vorbei gegangen, sich an geschlossenen Kassen angestellt oder sogar das gesuchte und gewollte Produkt aus dem Wagen eines anderen gefischt, weil man selbst sonst nicht abbekommt, was man denn begehrt. Als Argument kommt dann „ich bin alt – ich darf das!“ – als wäre „alt werden“ in unserer heutigen Gesellschaft noch IRGENDEINE Leistung, auf die man stolz sein könnte.

Und nein, es ist nicht nur beim Einkauf so, sondern in so zahllos vielen Situationen. So ist es auf Gehwegen, die nicht sonderlich breit sind, eben auch genau die Gruppe aus eben jenen beiden Personenkreisen, die meinen, der Gehweg gehörte ALLEIN IHNEN und niemandem sonst, statt am Rand – wie ein normaler, rücksichtsvoller Mensch – also genau in der Mitte laufen, gern mit mehreren nebeneinander und nicht im Traum daran denken, aus dem Weg zu gehen, wenn jemand oder etwas entgegen kommt. Im Gegenteil – auch hier wird dann lieber das krähende Organ bemüht und krakeelt, man habe ein „Anrecht“ darauf, den Weg ALLEIN zu benutzen. Nicht umsonst wird im englischsprachigen Raum genau so ein Verhalten mit dem Namen „Karen“ umschrieben. Und ja, ich muss leider zugeben, dass ich zumindest zwei solcher „Karens“ selbst kenne und auch schon Opfer ihrer Tiraden wurde, weil sie in ihrer kleinen Welt, die allein für sich und NUR sich gebaut wurde, den Blick für alles und jeden anderen verloren haben, jedes Wort, jeden Satz, jede Andeutung auf sich persönlich beziehen und für die selbst ein schlichtes, einzelnes Wort wie „Ja“ oder „Nein“ ein direkter Angriff auf sie, ihre Überzeugung, ihr Weltbild oder gar ihren Wellensittich darstellt.

Gegen derartige Menschen ist leider jeglicher Versuch, friedlich und konstruktiv mit ihnen zusammen zu leben, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Man kann sie lediglich aushalten, hoffen, dass sie – ähnlich wie andere Naturgewalten – über einen hinwegfegen, dann verschwinden und man die Chance hat, mit allen anderen, die ihr Tosen ebenfalls überstanden haben, die Scherben wieder aufzukehren und weiterzumachen – im Wissen, dass der nächste Karen-Orkan früher oder später kommen und wieder alles auf links drehen wird. Der Trick ist, die Zeiten dazwischen so gut es geht zu nutzen und zu genießen.

Tue gutes – und rede (nicht) darüber?

Einige Male habe ich es schon selbst gedanklich durchgespielt: Gutes tun, vor den eigenen Augen und der eigenen Moralvorstellung das „Richtige“ tun. Aber ist es erst einmal getan, steht man vor dem Dilemma: Sagt man, was man getan hat – oder schweigt man darüber?

Ein Sprichwort besagt „Der Gentleman genießt und schweigt“, Weisheiten unterschiedlicher Glaubensquellen gehen nach der spirituellen Überzeugung nach, dass die Gute Tat „für sich steht“ und keiner weiteren Erwähnung bedürfe. Andere Quellen hingegen betonen, dass es wichtig ist, Erfolge und positive Dinge durch Verbreitung zu transportieren, um so vielleicht andere zu inspirieren, dem Vorbild zu folgen. Wieder andere Quellen sagen, dass von jenen, die gutes tun, gerade erwartet wird, dass diese ihre guten Taten öffentlich zur Schau stellen. Prominente, die unter den Augen der Presse in Suppenküche aushelfen, Waisenkinder besuchen oder im Krankenhaus den Sterbenskranken zumindest ein paar schöne Momente bescheren, sind solche Beispiele.

Wie man es dreht und wendet, es gibt für beide Herangehensweisen Argumente, für beides gute Rechtfertigungen und durchaus Möglichkeiten. Aber in beiden Fällen gibt es Kritiker, die den jeweils anderen Weg bis aufs Blut verteidigen, die „Andersdenkende“ für den von ihnen eingeschlagenen verdammen und entweder Hintergedanken unterstellen, einen Versuch, mehr Prominenz zu ergattern oder sonstige, falsche Vermutungen anstellen. Der Kern, das Wesen – die Gute Tat an sich – verschwindet dabei im Ad Hominem, das Positive wird vom Kritiker gänzlich als „Symbol“ beiseite gewischt und nur noch als nebensächliches Beiwerk zum offensichtlichen, schändlichen Motiv des „Täters“ stilisiert, der durch Reden oder Schweigen – welches von beidem, ist in dem Falle egal und gleich schlimm – genau das getan hat, was man eh von ihm erwartet hat.

Nun könnte man meinen, dass man sich doch nicht von jenen Kritikern beeinflussen oder gar davon abhalten lassen sollte, etwas Gutes zu tun und zu helfen. Ich stimme dieser Ansicht durchaus zu, jedoch will ich zu bedenken geben, dass in Zeiten des Internets Shitstorms überaus schnell entstehen können und mindestens ebenso schnell ein gefährliches Eigenleben entwickeln, an deren Ende im schlimmsten Fall gar der physische Übergriff auf den Betroffenen, der doch nur das Richtige zu tun versuchte, stehen kann. Wo die Hass-Spirale hinführen kann, sieht man so im Falle Walter Lübcke recht deutlich, der, als Opfer dieser Spirale, letztlich sein Leben lassen musste.

Eventuell ist dann also doch das Zitat von Oscar Wilde das Richtigere in dieser Beziehung:

„Keine gute Tat bleibt ungestraft.“

Oscar Wilde

Well, that (adopt) escalated quickly…

Es ist kein Geheimnis, dass ich diesen mittlerweile schon fast Wahn in Sachen „Adobtables“ auf etlichen „Art“-Plattformen für krankhaft halte. Gern wird mir dabei vorgeworfen, die Menschen würden sich doch gern einen eigenen Charakter wünschen (an der Stelle möchte ich fragen: WOZU? Das ist, als würde sich jemand, der noch nie auf dem Rücken eines Pferdes gesessen hat, noch nie ein Pferd aus der Nähe gesehen, sich nie um eines gekümmert und NICHTS darüber je gewusst hat plötzlich auf einer Auktion darum bemühen sich ein eigenes Pferd zu kaufen, statt sich bspw. erstmal Reitstunden zu suchen, eventuell eine Reitbeteiligung oder einfach nur in einem Stall bei der Pferdepflege auszuhelfen. Sprich: Was ein rational denkender Mensch machen würde), aber inwieweit das Design von jemand anders nun den eigenen Charakter widerspiegeln soll, ist mir immer noch schleierhaft.

Eine „Wing-it“-Commission oder etwas, wo man mit Random-Charakteren zusammengeworfen wird, ist ja noch verständlich, aber IRGENDEINEN Blanko-Charakter zu kaufen, zu dem man sich dann hinterher eine Story ausdenkt, ist zwar möglich, wirkt aber eben einfach erstmal dumm. Hier halte ich mich an die Druidenweisheit: „Verkaufe nicht den Pelz des Bären, den du noch nicht erlegt hast“.

Nun ist es aber so, dass das Zeichnen von Adoptables zumindest noch einen Grundstock an künstlerischem Talent erfordert. Wenn ich jedoch sehe, dass es Leute gibt, die die SELBEN Outlines, deren Inhalt nur MINIMAL anders schattiert ist, immer wieder verkaufen und diese, um den Überblick über die Varianten zu behalten, nun Nummern geben, die bis ins Fünfstellige (!) reichen, für jeden selbstverständlich mindestens 30-50 Euro aufrufen, dann zuckt eben doch mein Augenlid, wenn ich daran denke, dass da jemand mit einer Arbeit, die einmal vielleicht 2-3 Stunden und danach noch ein paar Minuten je Bild nötig war, in Summe fast eine halbe Million umsetzt. Aber hey, selbst das erfordert ja noch Talent.

Die NÄCHSTE Eskalationsstufe ist jedoch schon längst wieder erreicht: Es gibt Leute, die selbst DAFÜR zu faul sind und sich von Künstlern (für überschaubare Beträge) einfach Patterns kaufen bzw. diese gar kostenlos aus dem Netz ziehen, zwei, drei Filter drüberziehen und diese dann für 20-100 Euro das Stück als „Adopt“ weiterverkaufen. Solche Leute indes sind in etwa die selbe Seuche, wie es bei Steam jene sind, die die Asset-Swap-Games für 5-10 Euro schnell an den Mann zu bringen versuchen. Wer es nicht kennt: Die Unity-Engine ist kostenlos, etliche Assets (einfache Charaktere, Objekte, Waffen, Effekte, etc.) ebenfalls und dazu da, Neulingen die Entwicklung zu erleichtern. Wenn man nun bedenkt, dass es Menschen gibt, die sich aus dem Kostenlos-Baukasten drei, vier Dinge zusammenklicken, irgendwas aus anderen Spielen damit nachzubauen versuchen und das dann auf einen Marktplatz stellen, wo es dann von anderen Menschen offenkundig sogar gekauft wird, dreht sich mir, der ich den ECHTEN Content-Creators, die noch eine eigene Kreativität besitzen, durchaus Respekt zolle und deren Sorgen, angemessene Preise von ihrem Klientel zu erhalten, der Magen um. Es ist nichts anderes als der Versuch, einmal auf eine Leinwand draufzuspucken und es dann als „moderne Kunst“ für einen nicht unbeträchtlichen Betrag zu veräußern, während der Künstler, der Jahre oder gar Jahrzehnte mit Übung, Studium und vielen Entbehrungen nicht einmal den Bruchteil eben dessen einstreichen kann, umgekehrt dann aber das Genörgel, alles sei „zu teuer“ anhören muss.

Und ja, ich finde es eine bodenlose Unverschämtheit, wenn ich von „Künstlern“, die ich aufgrund dieser Seuche, die mittlerweile viele der Communities erfasst hat, selbst darunter leiden, noch mit bösen Worten bedacht werde. Ich frage mich an der Stelle, ob es diese Leute entweder nicht sehen wollen, nicht sehen können, oder ob sie ihre eigene Arbeit mittlerweile auch derart geringschätzen, dass ihnen diese „Konkurrenz“ so egal ist?

Design vs. Realität

Ich habe ja schon immer wieder in meinem Blog über die Designentscheidungen bei Charakteren geschrieben und mich häufig aufgeregt, was da doch teilweise für ein Schwachsinn zusammenkommt. Damit will ich hier weitermachen – aber gleichzeitig auch Worte des Lobes an den Stellen fallenlassen, wo genau das, was ich angesprochen habe, durchaus richtig und gut befolgt wird (ja, ich kann durchaus auch loben, wenn es angebracht ist. Die Regel „nicht angeschissen werden ist Lob genug“ lebe ich nämlich nicht!) oder ich gar selbst noch eines Besseren belehrt werde.

First things first: Es gibt viele unterschiedliche Anatomietypen für Charaktere. Und so viele unterschiedliche Anatomietypen es auch gibt, umso mehr unterschiedliche Kleidungs- und Designtypen gibt es. So lange diese mit dem Charakter harmonieren, ist alles gut und richtig. Problematisch wird es nur dann, wenn diese im krassen Widerspruch dazu stehen oder gar technisch bzw. canon-mäßig unmöglich wären. Ein Raumanzug in einem Fantasy-Setting mitten im Mittelalter ist halt genau so lorebrechend wie eine Jeans oder eine Digitalarmbanduhr. Und wenn man einen anthropomorphen Fuchs, Wolf, Löwen, Tiger oder was auch immer für ein zweibeiniges Tier in einen Raumanzug steckt, der Schwanz dann aber ungeschützt durch eine Öffnung nach hinten rausguckt (oder die Füße. Oder beides), dann macht der aufgesetzte Helm, während dieser durchs Vakuum schwebt, den Braten auch nicht mehr fett: Dieser Charakter ist dann nämlich – und nein, da diskutieren wir auch nicht – schlicht und ergreifend TOT, weil er keine Luft mehr zum atmen hat, diese ihm durch eben jene Öffnung des Anzugs entweder entwichen ist oder besagter Körperteil dann sehr schnell jene Luft nach außen diffundieren lässt.

Zurück zum Mittelalter- bzw. Fantasysetting. Rüstungen, Gewandungen etc. sehen durchaus chic aus. Viele verzieren diese Rüstungen, packen noch Kettchen oder andere Dekogegenstände daran, wie man sie in Filmen oder auf einigen Bildern sieht. Einige schlechtere LARP-Spieler verzieren ihre Rüstungen ebenfalls mit derartigem Tand, übersehen dabei aber DEN wesentlichen Punkt: Ja, es gab solche Rüstungen wirklich im Mittelalter. Diese Rüstungen aber wurden NICHT bzw. NIE im Kampf getragen. Sie dienten EINZIG dazu, möglichst beeindruckend auszusehen und den übrigen Menschen zu zeigen: „Sieh her! ICH bin ein ganz harter, toller Typ!“. Diese Rüstungen haben daher auch einen sehr treffenden Namen: Paraderüstung.

Eine wirkliche KAMPFrüstung sieht anders aus, als eine Paraderüstung. Sie ist NICHT zwingend auf optische Opulenz getrimmt, sondern eben auf den SCHUTZ von dem, was wichtig ist: Kopf, Herz, die übrigen Organe und idealerweise noch die Arme bzw. Beine. Kurz: Alles, was einem Kämpfer schnell den Garaus machen könnte. Dabei ist natürlich darauf zu achten: So eine Rüstung muss man auch ANGEZOGEN bekommen, sie besteht aus MEHREREN Teilen und Schichten, hat GEWICHT und sollte den Kämpfer eben möglichst gut schützen. Schwachsinn wie die in der Brustplatte eingepressten Brüste bei weiblichen Kriegern sehen bei einer Paraderüstung vielleicht noch toll aus, sind in einer Kampfrüstung aber eine Einladung für jede Lanze, einen perfekten Herztreffer zu landen (die Lanze „rastet“ schön zwischen den Brüsten ein. Dann nur noch schieben und man hat Ritter-am-Spieß).

Um die Kleidung und Rüstung richtig zu designen, muss man sich natürlich auch den Charakter und dessen Eigenheiten, der in dieser Rüstung steckt, genauer ansehen und dessen Rolle betrachten. Gerade weil Rüstung eben Gewicht hat und einen einschränkt, sollten nicht unbedingt jene, die großen Wert auf Beweglichkeit oder Geschwindigkeit legen, sich die schwerste Rüstung überstreifen. LARP-Recken, Rollenspielern und jenen, die zumindest einmal in ihrem Leben in so einer Rüstung gesteckt haben, sage ich damit zwar nichts Neues, vielen Künstlern jedoch offensichtlich schon, die so beispielsweise einen drahtigen, humanoiden Geparden in die vorderste Linie stellen, ihm einen ordentlichen Panzer und einen Zweihänder in die Hand drücken und meinen, er würde sich schon gut durchschlagen, weil er ja flink und schnell ist. Das ein solcher Kämpfer in voller Plattenrüstung (die auch bei ihm, wenn man alles berücksichtigt, noch locker 30 Kilo auf die Waage bringen dürfte) und mit einem Bi-Händer (der ebenfalls um die 10-15 Kilo wiegt) NICHT mehr wieselflink ist, sollte man demjenigen vielleicht einmal nahelegen. Zudem verschenkt er nicht nur seinen größten Vorteil – eben die Flinkheit und Agilität – sondern gefährdet diese so sogar. Ein Gegner, der auch nur ANSATZWEISE auf Zack ist, zückt nämlich schnell einen Dolch mit der linken Hand, um diesen dann seinem „flinken“ Kontrahenten in den Oberschenkel zu rammen oder gar, wenn er – wie es bei vielen Künstlern leider immer noch Gang und Gäbe ist – barfuss in den Kampf gezogen ist, den Dolch in eben jenen ungeschützten Fuß hinein zu rammen. Auf diese Weise wird aus einem ehemals flinken, agilen Kämpfer ein nahezu bewegungsloses, halbes Hemd, das man nicht einmal mehr groß bekämpfen muss, sondern einfach umgehen kann, damit sich dann jemand aus den hinteren, eigenen Reihen drum kümmern kann – vorzugsweise mit einem schönen, großen Kriegshammer, der mit nur einem einzigen Schwung auf den Kopf des nun nahezu bewegungslosen Kämpfers kurzen Prozess macht.

Wo wir gerade bei Fußbekleidung sind: Nicht bei allen Charakteren macht die Sinn. Ein Drachengeborener im D&D-Universum beispielsweise ist nunmal eine fast 2,5 Meter große, elementare Energien spuckende Echse, deren Hände und Füße mit ledriger Haut und Schuppen geschützt sind. Da gehen keine Stacheln durch, die Krallen schneiden im Gegenteil sogar Furchen in Stein und Metall. Es gibt aber durchaus Charaktere, bei denen auch hier Fußbekleidung MEHR als nur optischen Sinn macht – Städte zum Beispiel, in denen die Böden hart, die Oberflächen unterschiedlich, manchmal glatt, manchmal fest sind. Oder Kopfsteinpflaster. Oder Schotter. Auch und gerade wegen solcher Oberflächen und weil viele davon nicht wirklich angenehm zu bereisen sind, es dem „Fuß“ gar schaden könnte, haben Menschen bei Pferden die Hufeisen erdacht, werden Hufe damit geschützt und dem Tier zu zusätzlichem Halt verholfen. Selbst für Stiere bzw. Bullen, die in der Landwirtschaft eingesetzt wurden bzw. werden und die ähnliche Leiden aufwiesen, wurden passende Klaueneisen erdacht, angefertigt und den Tieren angeschlagen. Hunde bekommen, wenn sie verletzt sind, wenn draußen im Winter Streusalz die Oberflächen der Straßen bedeckt sind oder sie im kalten Norden als Schlittenhund unterwegs sind, ganz selbstverständlich passende Schuhe übergestülpt, um die empfindlichen Pfoten zu schützen. Und was erdenken sich etliche „Künstler“ als adäquaten Schutz? Richtig – Naruto-mäßige Sandalen, bei denen die Zehen vorne frei liegen, der Rest dafür aber von Stoff bedeckt ist. Wobei nein – die Sandalen bei Naruto machen ja zumindest noch SO weit Sinn, dass sie eine durchgängige Sohle haben. DIE wiederum wird von etlichen Künstlern auch weggelassen. Stattdessen beginnt dann Stoff oder Leder einfach kurz oberhalb der Zehen und geht dafür dann, schuh-ähnlich bis zur Mitte des Knies. Schließlich wissen wir alle, dass Wasser, Dreck und Co. niemals UNTER dieses Kleidungsstück kommen würde, um die Schutzwirkung so nicht nur zu negieren, sondern sogar noch umzukehren. Kurzum: Was wir hier haben, ist das Äquivalent einer Paraderüstung: Sieht „toll“ aus (je nachdem, was man mag), bringt aber genau GAR NIX und ist im Gegenteil sogar noch nachteilig.

Schlimmer sind dann nur noch die Kleidungsstücke, die direkt auf einen Charakter „draufgemalt“ werden und wie ein Ersatz zu Haut aussehen. Gerade wenn ich den Kragen von einem Pullover, die fast schon beängstigend engen Hosenbeine, das Fehlen von Knöpfen, Reißverschlüssen oder sonstigen Öffnungen vermisse, will ich gern fragen: „Wird der Charakter seine Kleidung JEMALS in einem Stück wieder ausziehen können?“.

Klar, es ist bei gezeichneten Charakteren eine Unart, ihnen genau EIN Outfit zu verpassen. Das mag im Mittelalter noch gestimmt haben, wo man WIRKLICH nur EIN Alltags-Outfit hatte, EIN Outfit für „feine“ Anlässe und eben EIN Outfit für den Kampf (das unter Umständen mit dem Alltagsoutfit kombiniert wurde), aber die wenigsten dieser Charaktere, ganz gleich, in welchem Setting man auch sein mag, befinden sich im Mittelalter. Und auch wenn ich das bei amerikanischen Serien durchaus nachvollziehen kann (immerhin ist die Aufmerksamkeitsspanne in den Staaten gefühlt noch kürzer als jene, die man Goldfischen nachsagt), weil man so Charaktere leichter wiedererkennt, so finde ich es doch schlechten Stil und somit schlicht langweilig.

Das ich mit meiner Kritik wohl einen Punkt getroffen habe, mit dem einige übereinstimmen, legen btw. zahlreiche Refsheets und viele, viele Bilder von durchaus guten Künstlern nahe, die nicht nur mit überaus viel Liebe zum Detail gleich mehrere Outfits für Charaktere zeichnen, sondern eben auch GLAUBWÜRDIGE Outfits mit SINNVOLLEN Kleidungsstücken erschaffen. Bezeichnend ist hier, dass gerade jene Künstler, die von Berufs wegen oder durch ein anderes Hobby ERFAHRUNG in solchen Dingen haben, sie instinktiv richtig zeichnen bzw. malen und die üblichen Fehler bzw. designtechnischen Punkte, die ich oben angesprochen habe, genau gar nicht machen. Leider aber gibt es noch viel zu viele „hochbezahlte“ Künstler, die lieber den Mainstream bedienen, statt jene guten Ansätze von ihren Kollegen zu übernehmen. Allerdings: Die Zahl jener Künstler, die anfangen, Charaktere so zu zeichnen, steigt auch. Das beweist mein Beispiel-Sammelordner, der nun schon eine hohe, dreistellige Zahl an Positivbeispielen aufweist, hervorragend.