Kapitel 9 – Ungewöhnlicher Zweikampf

„Was? Was soll das heißen wir werden angegriffen?!“ zischte Val’dis die Mantis an, die mit lautem Gezeter auf ihn zu stürmten. 
Er war wütend. Wütend über seine Kollegen, die nach dem Vorstoß durch den Schlangenrücken plötzlich und sehr schnell wieder zum Schwarm zurück geflogen waren. Wütend über die Tatsache, dass der Koloss, dank dem sie überhaupt erst den Schlangenrücken durchstoßen hatten, nun tot inmitten der Bresche lag, die er selbst geschaffen hatte und nun höchstpersönlich versperrte. Wütend über die Inkompetenz der Mantiskrieger, die ihm überlassen worden waren und von diesen erbärmlich ausgerüsteten Pandaren in Schach gehalten wurden, ohne dabei auch nur ansatzweise Boden gut machen zu können. Und jetzt, so meldeten die vier, die auf ihn zu gestürmt waren, drohten angeblich noch Angreifer von Süden aus.
Feiglinge. Schwächlinge. Val’dis kannte noch wesentlich mehr und passendere Vokabeln in Mantid. Keine davon war nett, keine war freundlich und alle waren sie für ihn im Moment zu schwach, als dass er sie hätte benutzen wollen.
„Wieso habt ihr nicht gekämpft?“ schnaubte er verärgert.
„Haben wir. Von uns zehn sind nur wir vier übrig.“
„Wie viele sind es? Welchen Weg nehmen sie?“
„Der eine ist sehr groß und hat alleine vier von uns erledigt. Der andere ist winzig, aber gefährlich. Hat Krax nicht einmal berührt, um ihn zu töten.“
Val’dis starrte die vier baff an. „Wir haben sechs unserer Krieger gegen ZWEI verloren? Was für Schwächlinge seid ihr?!“
„Wir….sie waren zu stark für uns. Sie…“
„…sind hinter euch.“ Schnitt eine fremde Stimme den Mantis ab. Erschrocken wirbelten sie herum, erspähten dann mit einem Mal die Todesritterin, die mit kaltem Blick in die entsetzten Gesichter der Mantis blickte, die nicht wussten, wie ihnen geschah, als ein leises Surren durch die Luft schnitt und zwei der Krieger traf, ihre Leiber in der Mitte teilte und sie so schnell erledigte, dass sie gar nicht mitbekamen, wie sie von der Todesritterin in nur einem Streich ins Jenseits geschickt wurden.
Vom plötzlichen Tod ihrer Kameraden noch immer baff sprang Kweezil aus dem Schatten der Todesritterin auf einen der beiden Überlebenden, rammte seine Dolche knapp unterhalb des Halses in den Körper des ersten, zog diese blitzartig auseinander, wirbelte auf den zweiten und ließ die noch immer vom Blut seines Kameraden tropfenden Dolche in dessen Kopf gleiten, als wäre es nur ein Stück warme Butter.
Val’dis brüllte laut auf, griff zu seiner Waffe und stürmte seinerseits zuerst auf die Todesritterin zu. „Nutzlose Drohnen! Alles muss man selber machen!“
Mit diesen Worten donnerte er seine übergroße Hellebarde mit aller Macht und überraschend hoher Geschwindigkeit auf die Todesritterin hinab. Xelestra sah den Angriff kommen, schien einen Moment abzuwägen, ob sie den Angriff parieren, aufhalten oder ihm besser ausweichen sollte, entschied sich dann für Letzteres und machte schnell einen Schritt zur Seite, sah noch in der Bewegung, wie die Waffe wesentlich schneller auf sie zu donnerte, als sie vom Körper des mehr als fünf Meter hohen Mantis erwartet hätte. Schnell hob sie ihren linken Arm schützend vor sich, spürte den Luftzug der mächtigen Hellebarde und wie die Klinge auf das Metall ihrer Armschiene traf, daran entlang glitt und genau dort auf dem Boden aufschlug, wo sie vor nicht einmal einem Augenaufschlag noch gestanden hatte. Splitter von Gestein und Dreck spritzten umher, als die Klinge den leicht felsigen Boden durchschnitt und ebenso ruckartig wieder nach oben schnellte, wie sie zu Boden gegangen war, während Xelestra ihre Axt hob und ihrerseits zum Schlag ausholte. Val’dis aber war auf diesen Angriff gefasst. Er hatte Jahrhunderte lang Rekruten ausgebildet, unzählige Kämpfe mit den Feinden der Mantis ausgetragen, kannte Kampftaktiken nur zu gut. Nur weil diese übergroße Weichhaut mit den Rekruten so kurzen Prozess gemacht hatte, hieß es noch lange nicht, dass er es ihr genau so leicht machte.
Gerade als Xelestra zuschlagen wollte, traf sie eine Faust direkt am Kinn, warf sie aus der Balance, schleuderte sie rückwärts durch die Luft. Noch während des Sturzes fing sie sich aber, machte eine Rolle rückwärts, kam wieder auf die Hufe und grub diese tief in den Boden. Ihre mit Stollen und Krallen besetzten Eisen zogen lange Riefen in den vorher glatten Boden, brachten sie im Handumdrehen wieder zum Stehen, während sie sich vor beugte, die linke Hand auf dem Boden und die rechte ihre Waffe fest umschlossen haltend. Dann richtete sie sich wieder auf, strich mit der Hand über ihr Kinn. Mehr Zeit sich wieder zu sammeln blieb ihr nicht, denn der Mantis stürmte bereits wieder auf sie zu, seine Hellebarde mit einem kräftigen Schwung auf sie zu rammend. Doch diesmal war sie auf den Angriff gefasst, schwang ihrerseits ihre mächtige Axt.
Die Klingen trafen sich mit lautem Donnern in der Luft, schlugen Funken und schickten ein Rucken durch die Arme der Todesritterin und die des Mantis, der ungläubig auf die für ihn wesentlich kleinere Taurin hinab starrte.
„Umöglich!“ brüllte er wütend.
„Ungewöhnlich.“ Entgegnete die Todesritterin ihrerseits, zog ihre Axt mit einem Ruck zurück, wirbelte herum, wich dabei dem Schlag der Hellebarde aus und schlug ihrerseits mit ihrer Axt zu, traf den Chininpanzer des Mantis. Doch statt wie bei den kleineren vor ihm einfach das Fleisch zu durchschneiden, schlug sie nur eine tiefe Kerbe in den Panzer. Ein böses Grinsen legte sich auf das Gesicht von Val’dis.
„Jetzt bin ich dra….“ Begann er, riss dann mit einem Mal den Kopf nach oben, als er einen brennenden Schmerz im Nacken spürte.
„Schön ruhig großer.“ Sagte Kweezil mit leiser, ruhiger Stimme vom Rücken des übergroßen Mantis, den Griff seines Dolches mit der rechten Hand haltend, der tief im Nacken des Riesen steckte. Geschickt hatte er die rasiermesserscharfe Klinge zwischen den einzelnen Segmenten des Panzers hindurch in das darunterliegende Fleisch gestoßen.
„Zwei Zentimeter. Dann bist du tot. Also benimm dich.“ Flüsterte der Goblin dem Mantis dorthin, wo er die Ohren vermutete. Und der Mantis schien tatsächlich zu gehorchen, ließ seine massive Waffe sinken.
„Brav so.“
Xelestra blickte den Mantis, der seine Waffe wegstellte, noch einige Augenblicke unsicher an, ehe sie auch ihre Waffe wegsteckte und auf den nun ruhig vor ihr stehenden Mantis genau musterte.
„Weichhäute. Was wollt ihr?“ fauchte der Mantis voller Verachtung.
Nun war es an Xelestra, die mit dem Finger auf den Mantis deutete, dann an ihm vorbei in Richtung Norden.
„Du wirst uns in den Norden bringen. Ins Tal der Blüten. Verstanden?“ diktierte sie mit ruhiger, strenger Stimme. Dann deutete sie auf Kweezil. „Andernfalls…“
Noch ehe der Goblin das stille Kommando zum Zustoßen oder zumindest Bewegen des Dolches umsetzen konnte, hob der Mantis die Hände und beeilte sich zu versichern, dass er der Forderung der Todesritter ultimativ entsprechen würde. So sehr er die Weichhäute auch verachtete, dies hier war weder die Zeit noch der Ort für Diskussionen dieser Art. Also ließ er sie ebenfalls auf seinen Rücken steigen, legte die Hellebarde ab und flog mit ausgebreiteten Flügeln in Richtung Norden.

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