Kapitel 23 – Wieder vereint

„Was bei den neun Höllen treibst du hier?!“ brüllte Xelestra.
„Das Gleiche könnte ich dich fragen! In deinem Zustand….“ entgegnete Nikariu.
„Und das ist eine Entschuldigung für dich, dein eigenes Leben wegzuwerfen?!“ brüllte Xelestra erneut, presste sich dann dichter an die Deckung, ehe nur Bruchteile von Sekunden später eine Mine in unmittelbarer Nähe explodierte und tiefe Furchen durch die Erde riss. Kleine Steine und Erdbrocken flogen umher, ergossen sich über die drei Tauren, die in der kleinen Deckung kauerten, die sie nur spärlich vor den wilden Attacken des verwundeten, eisernen Kolosses abschirmte.
„So ein Unsinn! Ich helfe meinem Orden, meinen Brüdern und Schwestern.“
„Indem du dich hier vor dieses Monster stellst. Allein. Obwohl du siehst, wie es den anderen ergangen ist.“
„Hätte ich teilnahmslos in Deckung stehen und auf ein Wunder warten sollen?“
„Ähm….ihr beiden kennt euch?“ fragte Arnak mit etwas verwundertem Blick auf die beiden Taurendamen.
Zwei Augenpaare fixierten ihn, starrten ihn derart fest an, dass er seine Frage fast schon bereute.
„Wir sind Geschwister.“ echote es nahezu gleichzeitig aus zwei Mündern, ehe sie sich wieder gegenseitig anstarrten.
Diese Antwort verunsicherte ihn. Einerseits, weil auf der einen Seite eine Paladina, auf der anderen dagegen eine Todesritterin standen, die zwar von den Gesichtszügen in gewisser Weise ähnlich waren, doch sonst nicht unterschiedlicher hätten sein können. Seine Gedanken wurden aber jäh unterbrochen, als ihn ein heftiges Beben von den Beinen riß. Als er sich umdrehte sah er, dass das Ungetüm einige Schritte näher in ihre Richtung gekommen war, ihre Deckung ihnen nun nicht mehr den vollen Schutz gewähren würde. Doch gerade als das Monstrum sich aufbäumte und der mächtige Schwanz rötlich aufblitzte, um gleich darauf seinen todbringenden Laser auf die drei abzufeuern, traf ein mächtiger Frostfeuerball die Flanke des Kolosses, ließ ihn schlingern.

„Getroffen!“ jubelte Kweezil über den sofortigen Effekt, den der Frostfeuerblitz auf den Rüstungsplatten des Kolosses hinterließ.
„Nein.“ seufzte Kyzaria, sog einmal tief Luft ein. Deutlich spürte sie den Entzug der magischen Energie, die sie in das große Geschoss gelegt hatte, um überhaupt einen spürbaren Effekt auf das Monstrum haben zu können.
„Wenn ich direkt in die offene Wunde getroffen hätte, dann ja. Aber so…“
„Das Monstrum ist immer noch in Bewegung. Das du es überhaupt getroffen hast, ist bemerkenswert.“ merkte Vadarassar an. Sicher, er wusste nur zu gut, dass dieser Zauber kaum Effekt auf das Monstrum gehabt hatte. Wenn sie es nur schaffen würden, dass der Koloss lange genug stillhielte…
Das laute Brüllen des großen, von Eis verkrusteten Frostwyrms, der etwas abseits des Kampfes seine Kreise drehte und sich der Windreiter sowie übrigen Schützen erwehrte – und das sogar ziemlich erfolgreich wie es schien. Offensichtlich hatten die Truppen der Kor’kron mit Windreitern oder eventuell sogar Drachen gerechnet und sich mit Speeren, Schusswaffen und weiteren Klingen bewaffnet. Gegen ein Wesen, das keinerlei Fleisch mehr am Leib hatte und dessen Schwingen lediglich von einigen Sehnen sowie magischen Fasern bedeckt waren, richteten derartige Waffen schlichtweg keinerlei Schaden an, sorgen sie im Gegenteil nur dafür, dass jener Wyrm genervt einige Schwanzhiebe verteilte und die Reiter so aus ihren Sätteln schleuderte.
Mit einem Mal kam dem Hexenmeister eine Idee. Er hob die Hände an seinen Kopf und brüllte so laut es ging zu dem noch immer inmitten des Feindfeuers befindlichen Trupp aus drei Tauren.
„XELESTRA!“

Die Todesritterin horchte auf und ließ vom Streitgespräch mit ihrer Schwester ab, blickte zur Seite und erspähte den Hexenmeister, wie er ihr wild gestikulierte und dann in Richtung von Arkano deutete. 
Es dauerte nur einen kurzen Augenblick, ehe sie verstand. Dann war es an ihr, laut los zu brüllen.
„ARKANO! HÖR AUF ZU SPIELEN UND GREIF DAS VIEH AN!“
Der Frostwyrm schien sich an dem Kommando seiner Herrin – oder was auch immer Xelestra für ihn sein mochte – nicht zu stören. Alle Umstehenden schienen sicher, dass er sie entweder nicht gehört hatte oder eventuell schlicht ignorierte. Nur Xelestra hörte seine Stimme, wie sie auf magischem Wege in ihrem Geist sprach.
„Vergiss es. Dieses Ungetüm werde ich nicht….“
„ARKYLASTROS. DAS IST EIN BEFEHL!“
So sehr jeder noch gezweifelt hatte, dass der Frostwyrm sie überhört oder ignoriert hatte, so auffällig war die Reaktion, die bei den ersten Silben, die über Xelestras Lippen wanderten, am Himmel für alle sichtbar. Als wäre er von einem Blitzschlag getroffen worden zuckte der Frostwyrm gequält zusammen, strauchelte kurz, ehe er sich wieder fing und mit einem einzigen Ruck eine schlagartige Kehrtwende vollführte, dann die Schwingen anlegte und auf den eisernen Koloss zustürzte.
„Das werde ich dir heimzahlen, verdammte Todesritterin!“ schnaubte der Drache, diesmal für jeden klar hörbar.
„Halt die Klappe und greif dir den Schwanz von diesem Monstrum.“ kommandierte sie mit emotionsloser Stimme.
So gern er ihr weiter widersprochen hätte, so klar erkannte er doch, dass diese Taktik klug und für ihn wesentlich unproblematischer als das Duell mit den Kor’kron ablaufen würde. Geschickt näherte er sich im Sturzflug von hinten, breitete seine Schwingen erst im allerletzten Moment aus und ließ einen wahren Orkan über den trockenen Boden pusten, wirbelte Staub und Sand umher, ehe sein großer Kiefer sich inmitten des skorpionartigen Schwanzes verbiss. Die Laserschüsse, die sich gerade noch auf die Stellung der drei Tauren konzentriert hatten, wurden jäh von ihrem eigentlichen Ziel weggerissen, der gesamte Körper des Kolosses strauchelte auf der Suche nach Gleichgewicht. Arkano seinerseits hielt jedoch noch dagegen.
Diesen Augenblick der Verwirrung nutzte Xelestra, blickte Nikariu eindringlich an, dann zu Arnak und schließlich wieder zu ihr.
„Bring ihn hier weg! Geht zu den anderen in Deckung!“ befahl sie scharf, wandte sich dann um und stürmte in Richtung ihrer Axt, die einige Meter weit geflogen war und nun im Boden steckte.
„Und was machst du?“ rief Nikariu ihrer Schwester hinterher.
Noch ehe Xelestra antworten konnte stand sie bereits neben ihrer Axt, zog die Klinge aus dem Boden und wandte sich um, fixierte den Koloss, der sich mit aller Kraft des Bisses des Frostwyrms zu erwehren versuchte. Dessen Zähne schienen indes Wirkung zu zeigen, bohrten sich tief in den nur mäßig gepanzerten Schwanz. Lange würde der Wyrm ihn so nicht mehr halten können. Doch das war auch nicht mehr nötig…
Statt ihrer Schwester durch Worte zu antworten stürmte Xelestra mit großen Schritten auf den Eisernen Koloss zu, wich einem der Arme und der an der Vorderseite angebrachten Kreissäge noch mitten im Spurt aus, warf sich dann auf den Rücken und schlidderte unter das Ungetüm. Dann rammte sie den Griff ihrer mächtigen Axt vor sich und mit aller Kraft in den Boden, drückte die Axt mit ihrem Schwung senkrecht über sich und den zu ihrer Überraschung nahezu ungepanzerten Bauch des Monstrums.

Die Axt bohrte sich tief in den Bauch des Ungetüms, schien es an Ort und Stelle festzunageln. Von einem widernatürlichen Zorn getrieben peitschten Arme und Beine umher, während der Frostwyrm mit einem letzten Ruck den mächtigen Schwanz nebst Laserstachel vom Leib des Maschinenmonsters abriß und achtlos zur Seite warf. Dann bissen sich die Kiefer in einem der Beine fest. 
„Jetzt!“ rief Vadarassar der Magierin zu. Unnötig, wie ihm mit Blick aus den Augenwinkeln auffiel – ein riesiger, blau-roter Ball aus Frost und Feuer hing bereits über ihrem Kopf, folgte ihrer Handbewegung und raste auf das Monstrum zu. Ohne eine Möglichkeit auszuweichen traf der mächtige Zauber der Magierin die offene Wunde am Kopf, drang tief in den Körper ein und explodierte im Inneren. Flammen züngelten aus den Öffnungen, Nieten schossen im hohen Bogen umher und Panzerplatten lösten sich unter der Wucht heftiger Explosionen. Dann verging das Monstrum in einem riesigen Feuerball.

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