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Double Standards – sie sind NIE gut

Man sagt ja, dass Menschen im Alter immer konservativer werden und sich mehr im Hier und Jetzt orientieren, daran festhalten und möglichst keine Veränderungen mehr haben wollen, daher das Bestehende und die Vergangenheit romantisieren, die Zukunft und jegliche Veränderung dagegen nur in den dunkelsten Tönen zeichnen. Entsprechend verzerrt sind dann Vergleiche – und auch die Erwartungshaltung. Wohl deswegen wird von einer „neuen“ Lösung erwartet, nicht nur das Gleiche zu leisten, was die „alte“ gekonnt hat, sondern mindestens 150% dessen, was die alte Lösung konnte, zu schaffen. Und falls nicht, ist es eben „Mist“, ist es „Blödsinn“ und man will sich nicht damit beschäftigen.

Dies ist nur einer von vielen Anwendungsfällen für „Double Standards“. Ein anderer solcher Fall wäre beispielsweise die sogenannte „Fanbrille“, wo man der geliebten Marke, dem geliebten Individuum und allen diesbezüglichen Umständen nahezu ALLES vergibt, während man bei den Konkurrenten gar nicht erst lange suchen muss, um ein Haar in der Suppe zu finden. Besonders schlimm werden diese Double Standards dann, wenn man den genauen Spiegel von sich erblickt, der vielleicht nicht haargenau für das Gleiche schwärmt, aber in dieser Schwärmerei doch haargenau so agiert, wie man selbst.

Offensichtlich ist es so, dass etliche Menschen, wenn sie einen Aspekt von sich selbst in jemandem anders gespiegelt sehen, auf eben jene Person SEHR extrem reagieren. So kann es bei Männern, die jemandem im gleichen T-Shirt, der gleichen Hosenmarke, dem fast baugleichen Auto oder Ähnlichem erspähen, zu einer Art spontaner Verbrüderung führen, bei der man sich sofort duzt, einander zum guten Geschmack gratuliert und gemeinsam darüber lacht, als kenne man sich schon von Geburt an. Bei Frauen dagegen ist es etwas anderes – und das weiß jeder, der einmal mit seiner Freundin oder einer Bekannten auf eine Party gegangen ist und diese dort dann DIE EINE erspäht hat, die es GEWAGT HAT, das GLEICHE Kleid anzuziehen. Wo bei Männern gerade n och die spontane Verbrüderung stattgefunden hätte, fliegen in der Damenwelt kurzerhand die Blitze quer durch den Raum, wird wütend gestarrt oder verlässt eine der beiden schnaubend die Party.

Es kann aber auch ganz anders passieren – so kann jemand einerseits jegliche Gewalt und alles, was mit „Hass“ oder Ähnlichem zu tun hat, ablehnen, daheim dann aber überaus handgreiflich werden. Ich habe daher eine ganz eigene Theorie über den Hintergrund der „Double Standards“ – und auch, warum sie wirklich RICHTIG schlecht, für unsere Psyche sogar äußerst gefährlich sind: Sie sind nichts weiter als die gelebte, gesellschaftliche Maske, die wir uns selbst aufsetzen, um anderen zu gefallen.

In der Öffentlichkeit agieren wir so, wie wir denken, dass es die Allgemeinheit von uns erwartet – oder wie unser Unterbewusstsein MEINT, dass wir uns verhalten SOLLTEN. Sind wir aber unter uns, unbeobachtet oder im Kreis der Vertrauten, fällt diese Maske, agieren wir gänzlich anders, wobei wir hier jedoch keineswegs „natürlich“ agieren. Denn der Umstand, dass wir in der Allgemeinheit und damit einer nicht unbeträchtlichen Zeit so konträr zu unserer Natur gehandelt haben, suchen wir den „Ausgleich“, versuchen wir zu kompensieren, was nach unserer inneren Auffassung so verkehrt in uns drin gelaufen ist. Und so schlagen wir in diesem Kreis unserer Vertrauten in die andere Richtung des Extremen, überzeichnen sie so weit, dass unsere wahren Werte geradezu verstümmelt werden, von ihnen kaum noch etwas übrig bleibt.

In der Theorie wäre die Lösung so einfach: Lasst die Masken fallen, seid aufrichtig und ehrlich, ohne dabei die Manieren zu vernachlässigen. Nur indem man sich selbst so akzeptiert, wie man ist, kann man auch anderen die Chance geben, einen so zu akzeptieren, wie man wirklich ist, kann man zurück in die Balance finden. Tut man dies nicht, wird es einen früher oder später zerreißen.

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