Flucht aus dem Alltag

Sonntag, Sonnenschein im Sommer. Eine junge Tigerdame rastet und genießt die Sonne. Ja, so könnte die Beschreibung dieses Bildes heißen – und so werden wohl auch viele das Bild interpretiert haben. Die Details, die jene Dame umschreiben und in ihrer Charaktergeschichte überaus umfangreich erzählt wurden (ein Blick in den Bereich Stories lohnt sich hier!), entgehen den meisten Betrachtern. Selbst die Künstlerin, die das Bild von mir nur nach Anweisung erstellt hat, dürfte die meisten Details nur unbewusst oder – und das halte ich für wahrscheinlicher – ohne Murren eingebaut haben.

Ehe ich auf die Details eingehe, will ich dem Bild aber die richtige Bildunterschrift geben und die Hintergründe verraten:
„Flucht aus dem Alltag – Hauptsache allein und weg von allem und allen.“

Ein kurzer Blick auf die Dame selbst: Samira ist sportlich – das sieht man an der Tatsache, dass sie statt Limonade ein isotonisches Getränk gegenüber Limonaden Vorzug gewährt. Auch die Tatsache, dass sie eben eine Wildkatze und damit durchaus muskulöser gebaut sein sollte, verrät dies. Ihr Bauch und ihre Oberschenkel jedoch zeigen: Die Dame ist alles andere als schlank oder so muskulös, wie sie sein sollte. Und nun kommen wir zu den kleinen Details, die nicht direkt offensichtlich sind, aber viel über sie verraten.

Die Brille passt zwar farblich in ihre Lieblingskategorie, ist aber die billigste Ausfertigung und passt ihr nur so gerade. Hätte sie keine Brille auf, sie wäre in der Tat fast blind. Erkennen kann man das lediglich am ausgeblichenen Fell um ihre Augen herum, das nicht etwa Makeup, Puder oder ähnliches ist, sondern auf Verätzungen durch eine recht heftige Lauge zurückgeht, die nicht nur die Pigmentierung von Haut und Haarwurzeln geschädigt hat, sondern auch und im Besonderen ihre Augen. Seither leidet sie nicht nur an Nachtblindheit und ist sehr blendempfindlich, sondern auch stark kurzsichtig.

Ihre Kleidung und die Wahl von einem No-Name-Getränk zeigen dazu noch den Grund für ihre Figur auf: Sie hat nahezu kein Geld zur Verfügung, ist im wahrsten Sinne des Wortes bettelarm. Statt Fleisch und reichlich tierisches Protein, wie es ihre genetische Veranlagung als primäre Nahrungsquelle vorgibt, zu konsumieren oder zumindest einen ordentlichen, hochwertigen Ersatz zu bekommen, beschränkt sich ihre Ernährung nur auf das, was möglichst billig ist: Teigwaren, Reis, Tütensuppen, billigste Süßwaren – eben alles, was länger haltbar ist, was sie für möglichst wenig Geld findet und was eben satt macht. Diese Mangel- und Fehlernährung sorgt dafür, dass sie einiges an Kilos auf die Hüften zugelegt hat.

Das es bei den zugenommenen Kilos auch bleibt, dafür sorgen die Probleme mit ihrem rechten Sprunggelenk, die sie seit einem Unfall vor vier Jahren beharrlich begleiten. Zwar wurde sie an ihrem Sprunggelenk operiert (und zwar dreimal, um genau zu sein), doch dabei haben die Ärzte nur noch mehr kaputt gemacht, als sie zu reparieren in der Lage waren. Deshalb trägt sie, wenn sie spazieren oder wandern geht, nahezu immer einen Stützverband aus Neopren, um ihren Knöchel warm zu halten und ein wenig zusätzlich zu stabilisieren. Doch je nach Belastung (und einen Berg hinauf oder einen unbefestigten Weg entlang zu laufen ist schon eine durchaus überdurchschnittliche Belastung) beginnt ihr Knöchel nach einiger Zeit zu schmerzen. Daher rastet sie nach einiger Zeit, lagert ihren Fuß hoch und ruht sich aus. Glücklicherweise vergehen die Belastungsschmerzen innerhalb von ein paar Minuten wieder. Größere, sportliche Anstrengungen wie jene, die sie früher einmal ausgeübt hat, sind so jedoch undenkbar.

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