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Warum die Welt Skyler hasst

Vorab: Ich weiß, ich bin mindestens ein Jahrzehnt zu spät damit, aber ich war noch nie jemand, der einem Trend hinterher gelaufen ist und sich Sachen angesehen hat, die andere „toll“ oder „hip“ fanden, sondern ich habe mir Sachen angesehen, die mir selbst gefallen – und ich scheue auch nicht davor zurück, irgendwo mittendrin aufzuhören, wenn ich merke, dass es wirklich KOMPLETT in die falsche Richtung wandert. So habe ich bspw. „Mr. Robot“ nach dem Ende der ersten Staffel quasi weggeworfen, weil das Thema „Hacker“ durch war und die ganze Serie eher in ein Psychodrama abdriftet, damit KOMPLETT uninteressant für mich ist. Ähnlich ist es auch mit Breaking Bad (wobei mich da schon getriggert hat, dass in Meth weder Brom, noch Barium drin ist. Aber hey – in einer Serie, in der es um einen Chemielehrer geht, muss man doch sowas wie chemische Elemente nicht richtig machen…oder?).

Was mich allerdings EXTREM an der Serie nervt, sind die durchschaubaren, sehr eindimensionalen Charaktere. Und ich habe auch relativ schnell festgestellt: Skyler ist eine Frau, die ein Walther, wenn er rational an die Sache heran gegangen wäre, NIEMALS als Ehefrau erwählt hätte. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da – das Internet ist im Gegenteil voll von eben solchen Bekundungen – und es ist so schlimm geworden, dass sich die Schauspielerin und die Produzenten selbst gefragt haben, „woher kommt der Hass?“.

Leider – und das ist wohl einer der Gründe, warum Hollywood seit rund einem Jahrzehnt nur noch Grütze diesbezüglich abliefert – kommt man zu einer VOLLKOMMEN falschen Erklärung: Sexismus, Frauenhass und Geschlechterrollen – und Hollywood sowie die Produzenten haben es wohl als Motivation verstanden, um NOCH offensiver gegen diese angeblich toxische Männlichkeit vorzugehen, sie NOCH weiter kaputt zu schreiben. Das man sich damit selbst keinen Gefallen tut und stattdessen vielleicht einmal GENAU hinschauen sollte, WARUM dieser Hass aufgekommen ist (und beileibe nicht nur von Männern…), wäre allerdings durchaus einmal angebracht. Ich werde daher einmal den geneigten Lesern den Gefallen tun und versuchen, es ein wenig zu erklären. Wer der deutschen Sprache nicht mächtig ist, es dennoch verstehen will: DeepL soll mittlerweile recht gute Ergebnisse liefern. Und wenn das nicht gut genug ist: Tja, sorry, aber ihr werdet wohl mal DEUTSCH LERNEN müssen. Nur EINE Sprache flüssig sprechen zu können ist nämlich im 21. Jahrhundert ebenfalls etwas, das einen als primitiv aussehen lässt. Ja, hier dürfen sich gern alle Franzosen und Amis angegriffen fühlen. Kann ich voll und ganz verkraften.

Nun aber zu Skyler – und beginnen wir einmal mit der Beziehung und dem Stand der Dinge, wie die Serie anfängt: Wir haben eine Familie mit einem Sohn, der offenkundig eine Behinderung aufweist. Jetzt grundsätzlich nichts Schlimmes, aber das bedeutet erst einmal einen höheren Pflegeaufwand, mehr finanzielle Aufwände und so weiter. Er arbeitet in Vollzeit als Lehrer – etwas, das normalerweise schon DEUTLICH mehr als normale Vollzeit erfordern sollte. Und da sein Lehrergehalt offenbar nicht reicht, arbeitet er ZUSÄTZLICH noch in der Waschanlage. SIE dagegen hat ihren Job hingeschmissen. Ob sie sich nun Vollzeit um den gemeinsamen Sohn kümmert oder was auch immer sie tut – das ist nicht sicher. Was aber sicher ist: Das Verhältnis zwischen den beiden ist schon zu Beginn angespannt. Ich meine: Er hat Beschwerden, er geht alleine zum Arzt, ohne mit ihr darüber zu reden (die heftigen Symptome des Lungenkrebses wären einem AUFMERKSAMEN Partner frühzeitig aufgefallen – und ggf. hätte besagter Partner den bockigen Ehemann notfalls an den Haaren zum Arzt geschleift) und erzählt ihr auch nichts von der Diagnose, meint, es alleine schultern zu müssen. Der Grund ist simpel: Das Verhältnis der beiden ist schon im Vorfeld angespannt und NICHT von Vertrauen geprägt. Es ist als wisse er: „Wenn ich DAS sage, ist sie weg“.

WIE kaputt die Ehe schon gewesen sein muss, kann man daran sehen, dass er ihr nicht nur die Krankheit verschweigt, sondern gleichzeitig auch noch als EINZIGE und BESTE Möglichkeit, für seine Familie zu sorgen erwägt, Meth zu kochen und DAMIT Geld zu verdienen. Wer nicht mitgekommen ist: WIE kaputt muss ein Mensch sein, um das Einschwenken in eine DERARTIGE Laufbahn als BESTEN Weg zu erwägen, um die Angelegenheit zu lösen?

Das er mit seinem Verdacht – nämlich, dass man sich ihr nicht anvertrauen kann – Recht hat, sieht man an der Notlüge mit dem Gras. Wo ein vertrauensvoller Partner sich sicher Gedanken machen oder einen Therapeuten, vielleicht noch einen Spezialisten für Schmerz- oder sonstige Störungen heraussuchen und Hilfe anbieten würde, ein „du weißt doch, du kannst mir alles sagen“ einschieben würde, rennt sie damit DIREKT zu ihrem Schwager, der NATÜRLICH bei der Drogenfahndung ist. Das es ihm alles andere als gut geht, er über dem Klo hängt und sich übergibt – geschenkt. Auch den Haarausfall bekommt sie nicht mit (er arbeitet…was macht sie eigentlich die ganze Zeit? Fallen ihr die vielen Haare in der Dusche nicht auf?), nimmt die Glatze von ihm eher grimmig zur Kenntnis. In gewisser Weise treibt sie ihn mit ihren ständigen Rückfragen, die schon an Polizeiverhöre erinnern, zu immer größeren und kreativeren Lügengeschichten. Und ja, es ist am Ende auch sie, die die Beziehung auf dem Gewissen hat, die den Sohn gegen seinen Vater aufstachelt. Oder, um es klar und deutlich zu machen: Sie ist das personifizierte Klischee, quasi die Summe von allem, was ein Partner in seiner Partnerin hassen kann.

Wie man das hätte auflösen oder verhindern können? Relativ simpel: Die Autoren und auch die Schauspielerin hätten die Dame zu einem MENSCHEN machen müssen, jemandem mit EMPATHIE und einem „ich habe doch auch Angst um dich!“-Ausbruch, in dem sie ihre Sorgen erklärt. Stattdessen ist sie DURCHWEG immer nur mit Vorwürfen, Verdächtigungen, Misstrauen und reinem „ICH ICH ICH“ da. Es geht ihr nicht um die „Beziehung“ (in Retrospektive steht zu bezweifeln, dass da JEMALS eine Beziehung gewesen ist, die den Namen verdient), sondern in erster Linie um SICH SELBST. Und ja, genau das ist, was ihren Charakter so unausstehlich macht.

Derartige Charakterzüge sind btw. nicht exklusiv weiblich (obwohl das Ausspielen des eigenen Kindes gegen den Ehepartner schon sehr typisch weiblich ist), aber in dieser Serie (wie in vielen Serien) bedient man halt Stereotype – und wundert sich am Ende, dass sich die Leute über diese Stereotype aufregen bzw. darauf anbeißen. Das dann aber diese Stereotype von der Schauspielerin und den Autoren selbst nicht als solche erkannt, sondern im Gegenteil als „Normalität“ verstanden werden und jeder, der sich darüber aufregt, somit ein „toxischer Patriarch“ sein muss, zeigt, wie entrückt manche Menschen mittlerweile in ihrer Blase sind.

Natürlich sollen weibliche Charaktere nicht ständig lächeln, nachgeben oder Ähnliches – das wäre absolut unglaubwürdig. Nur: WENN wir einen weiblichen Charakter haben, der in einer BEZIEHUNG mit einem männlichen Protagonisten steht, dann sollte diese doch zumindest ETWAS Empathie ihm gegenüber entgegenbringen. Die Zeiten von arrangierten Hochzeiten, wo man einfach mit jemand anderem zusammengebracht wurde – ob man diesen nun mochte oder nicht – sind immerhin auch in den USA in den meisten Bundesstaaten eine Sache für die Geschichtsbücher (was Alabama und einige andere Bundesstaaten angeht, bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher), folglich sollte doch IRGENDWAS mehr als lediglich ein Ring vorhanden sein, was zwei Ehepartner in einer Serie verbindet. Und eben DAS sollte man dann bei der Interaktion zwischen diesen Charakteren auch sehen können. So jedoch kann ich nur fragen: „Ähm, warum seid ihr nochmal zusammen? Warum weinst du, dass sie weggeht? Was verlierst du denn dadurch?“

Published inRant

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