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Warum ich YouTube NUR noch mit Werbeblocker besuche (und es JEDEM empfehle)

Ein kleines Vorwort: Mir ist bewusst, dass jetzt einige Content Creators lautstark schimpfen, toben oder fluchen werden. Das nehme ich gern in Kauf, das ertrage ich gern, denn die folgenden Absätze werden dem ausreichend Kontra geben, so dass selbst die cholerischsten YouTuber rot vor Scham anlaufen werden.

Beginnen wir mit dem Elefanten im Raum: Die Inhalte auf YouTube sind kostenlos*. Nein, dieses Sternchen werde ich jetzt nicht, wie es etliche Verlage, YouTuber oder sonstige Leute mit eher wenig Gewissen nur in einer Fußnote erklären, ich mache es hier: Es entstehen keine MONETÄREN Kosten für den Betrachter, so lange dieser keinen Premium-Account besitzt und damit quasi einen Kauf-AdBlocker bekommt, muss es aber auch nicht, denn Kosten können in Form anderer Ressourcen erhoben werden. Und einige Formen sind lukrativer, als eben andere: Daten und Zeit nämlich.

Google ist eine Datenkrake, das dürfte bekannt sein. Wer Analytics kennt (dazu gehöre ich – wenn auch nur oberflächlich), der weiß, dass man so Trends ablesen kann, gesellschaftliche Kategorien, Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung bzw. Identifikation und so weiter und so fort. Amazon geht sogar so weit, dass man anhand von Suchabfragen erahnen kann, ob man eine schwangere Frau vor dem Monitor hat, so dass man genau zur richtigen Zeit Sonderangebote für Babysachen auf die Startseite platzieren kann. All das bewirkt eines: Man kann den Besucher steuern und so, quasi am Nasenring durch die Manege geführt, genau vor das Regal setzen, dass dieser gerne haben will oder haben wollen könnte. Damit wiederum bindet man den Kunden an sich – was etwas äußerst Positives ist. Denn so spart man sich die Werbung – der Kunde wird zum Werbeträger, zum „Botschafter“ für das Unternehmen. Man spart somit die Werbung, die dann wiederum andere bei einem selbst schalten wollen.

Und damit kommen wir zum zweiten Faktor: Zeit. Denn ja, Wenn man sich EIGENTLICH nur ein 3-Minuten-Video ansehen will, dafür aber erst eine Minute Werbung ansieht, dann nimmt sich YouTube eben diese eine Minute einfach, ob man es nun will oder eben nicht. Und „Zeit ist Geld“ gilt eben nicht nur bei Goblins in WoW, es gilt auch in der Realität. Denn Zeit ist begrenzt – wir haben nur so viele Minuten pro Tag, die wir „produktiv“ nutzen können, die wir für unsere Freizeit oder andere Dinge, die uns wichtig sind, aufwenden. Ein Anbieter, der sich bei dieser begrenzten Ressource zu sehr bedient, der wird schnell als Störfaktor empfunden.

Gerade dieser letzte Faktor – nämlich ZEIT – ist es, der mich hochgradig ärgert. Denn wie ich schon sagte: 3 Minuten Video, 1 Minute Werbung – das ist in etwa das Verhältnis, das man mittlerweile bei YouTube serviert bekommt. Damit ist YouTube mittlerweile auf dem gleichen Niveau wie das „Free-TV“ (das ja auch „kostenlos“ ist. Gut, außer dass man für den terrestrischen Empfang mittlerweile eine Jahresgebühr bezahlen muss. Und das man keine Aufnahmen anfertigen darf (bzw. nur zeitlich begrenzt). Und das man an allen Ecken und Enden noch zu Zusatzleistungen genötigt wird), mit der Ausnahme, dass etlichen Content-Creators nicht einmal dieses Pari-Pari mit dem klassischen Fernsehen (dessen Niveau bspw. die Trends von YouTube schon LANGE unterboten hat. Gute 90% des Contents dort würde ich hier, neudeutsch, locker als „cringe“ bezeichnen oder schlichtweg „peinlich“ nennen) reicht, sie fügen noch etwas in Richtung Patreon, SteadyHQ und Co. hinzu (also nicht als ALTERNATIVE zum Werbung gucken, sondern ZUSÄTZLICH!), widmen zwischen 10-30% ihres Videoinhalts noch EIGENEN Sponsoring-Deals – oder kombinieren einfach mal alles zusammen.

Fassen wir also kurz zusammen: Damit ich mir ein 5 Minuten-Video angucken kann, MUSS ich mir von YouTube am Anfang mittlerweile 2 Werbeclips ansehen, die rund eine Minute laufen. DANN startet das Video mit einem „is sponsored by X“, ein wenig Content, dann ein Kommentar zum Sponsor (auch nochmal rund eine Minute), dann am Schluss NOCHMAL ein Werbeclip und schließlich noch ein Verweis auf den Merchandising-Store des Kanals, dessen Patreon oder Ähnliches. Kurzum: Werbegehalt jenseits der 50%. Böse Zungen könnten sagen: Wenn man sich eine Dauerwerbesendung von QVC und Co. ansieht, bekommt man weniger Werbung und mehr Unterhaltung, als von einem durchschnittlichen YouTube-Kanal.

Ist das Video länger als 10 Minuten, kann der Kanalbetreiber btw. sogar frei fast beliebig viele Werbeclips einstreuen. Gerade diese Bestenlisten-Kanäle nutzen es nur zu gern, produzieren daher mit etwas längeren Vor- und Abspannen Videos, die KNAPP über 10 Minuten laufen, damit sie dann wirklich JEDE VERDAMMTE MINUTE einen Werbeclip von YouTube einstreuen können. Quasi Werbung unterbrochen von Werbung, die Werbung für die Werbung macht, die man vorher in der Werbung gesehen hat. Man könnte auch sagen: Da lässt jemand mit einem 10:03 Minuten langen Clip YouTube Geld für ihn drucken.

Und genau WEIL ich so etwas nicht unterstütze (nein, NICHTS vom oben genannten), nutze ich den Ad-Blocker. Nicht, weil ich dem YouTuber seinen Umsatz nicht gönne (bis auf den mit seinen Top-Listen. DIE dürfen meinetwegen gern in der Hölle schmoren. Aber nur auf kleiner Flamme, bitte), sondern weil ich keine Lust habe, 90% meiner Zeit mit belangloser Werbung zu verschwenden und dann teils lieblos hingeklatschte Videos ertragen zu müssen. Denn Dinge wie „Es wird ja für die User gemacht“ ist schon lange nicht mehr der Fall. Im Gegenteil.

Wenn sich jetzt noch einer dieser Creators über mich aufregen sollte, dann sei diesem gesagt: IHR habt angefangen! Das hier ist lediglich Selbstverteidigung!

Published inRant

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