Der Beleg, dass ich ein verschlossenes Buch war und bin

ein Weihnachtsgeschenk

„Künstler mögen es, wenn man ihnen möglichst große Freiheit lässt. Auf diese Weise entfalten sie ihre besten Talente und Fähigkeiten“ habe ich einmal als Tipp bekommen – und diesen Tipp, diese Regel habe ich bei meiner Unterstützung über eine Unterstützungsseite zu einem Weihnachtsfest überdeutlich gemacht gehabt: Ich habe nämlich einfach nur gesagt „zeichne ein weihnachtliches Bild, das mir gefallen würde“ – in der Annahme, dass mein Geschmack zumindest ansatzweise bekannt sei.

Herausgekommen ist dieser zugegebenermaßen knuffige Geselle. Ja, das Bild ist schön, ja, es ist weihnachtlich – doch nein, es ist leider an meiner Vorstellung von einem weihnachtlichen Bild vorbei gezeichnet worden.

Was das „richtige“ Motiv gewesen wäre, wird sich jetzt sicher der eine oder andere fragen (oder auch nicht. Ist sogar wahrscheinlicher). Ich nehme aber die Antwort vorweg: Ich mag Katzen, ich mag Eulen, ich mag Drachen und ich mag einen ganz bestimmten, besonderen Vogel, der nach der Definition und Recherche, die ich in Jahren zusammengetragen habe, kein Vogel, sondern eben ein Säugetier sein müsste. Bei den Katzen sind es insbesondere die Großkatzen (wobei mein besonderer Liebling – nämlich der Gepard – nicht einmal zur Familie der Großkatzen gehört. Tja – wieder was dazu gelernt), die mein Herz erobert haben.

Mit Rentieren – auch wenn sie zweifelsfrei das amerikanisierte Bild von Weihnachten sehr schön versinnbildlichen – dagegen habe ich ebenso wie Pferden keinerlei Verbindungen. Das Höchste der Gefühle bei Charakteren mit Hufen, die ich mag, sind noch die Tauren aus World of Warcraft, wobei mir hier insbesondere die Lore, also die Hintergründe der Rasse und somit die tiefe Spiritualität und Verbindung zur Natur, den Erdgeistern, dem Geist der Jagd und Co. gefällt (hey, selbst ihre Paladine glauben nicht an irgendeine Göttin, sondern an An’She – die Sonne selbst, die Jägerin des Himmels auf ihrer ewigen Jagd nach dem Mond. DERART tiefgehend ist deren Glaube und Verbindung mit der Natur und der Welt!). Eine gute Freundin von mir fährt richtiggehend auf Pferde ab, zeichnet diese wirklich bildhübsch. Nur: Ihre Bilder könnten mir egaler nicht sein, weil Pferde eben zu jenen Tieren gehören, zu denen ich GAR KEINEN Bezug habe. Auf Hirsche (sehr lecker übrigens) und Rehe habe ich sogar, wenn es um Abbildungen geht, einen wahren Hass bzw. Abscheu, weil bei der Suche nach SCHÖNEN Bildern für mein Wohnzimmer, meine Küche und alle anderen Ecken schon vor 13 Jahren, als ich meine erste Wohnung bezogen habe, gefühlte 103% aller Motive dieser ewig stilisierte, jägermeisterartige Hirschkopf in allen Permutationen auf Leinwand, in Acryl, auf Blech, hinter Glas oder auf Holz gespannt angeboten wird und man mit Figuren, Schmuck und Co. dazu zu Tode geworfen wird, bis man Stopp sagt. Ums kurz zu machen: Wer mich kennt, der weiß, dass der Griff zu einem Tier mit Geweih zwar ein weihnachtliches Motiv durchaus stimmig vertritt, entfernt sich aber so weit von dem Auftrag „etwas, das ich mag“, dass es wäre, als stünde einer von uns auf dem Merkur, während ich mit Voyager 1 den interstellaren Raum unsicher mache.

Habe ich etwas zu dem Bild gesagt? Nein – nur ein „schön geworden“. Denn das ist richtig. Es ist WEIT jenseits dessen, was ich angefragt, was ich mir gewünscht, erhofft oder auch nur als okay gefunden hätte, aber da ich explizit nichts zum Motiv gesagt habe, fehlt mir das Recht, Kritik zu üben. So bleibt es meine Schuld allein – und ich bin um die Erkenntnis reicher geworden, dass Menschen zwar MEINEN, mich zu kennen, in Wirklichkeit nur sehen, was sie sehen wollen. Dabei habe ich mich nie wirklich verstellt – die beste Tarnung ist und bleibt eben die Wahrheit. DIE glaubt nämlich niemand!

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