Samira Majhi

Als eine der letzten (genau genommen: DIE letzte) Humanoide aus dem Zuchtlabor in Indien ist Samira dahingehend eine Seltenheit, dass ihr Wachstum nahezu gar nicht durch Zugabe von zusätzlichen Genen beschleunigt, ihre Erinnerungen nicht künstlich angelernt und sie so alle Höhen und Tiefen eines Humanoiden auf dem Weg zum Erwachsensein durchleben durfte – inklusive zahlreicher Traumata, die sie bis heute verfolgen.

Aus schlechter Fürsorge in einem Kinderheim in Indien wurde sie schnell auf die Straße geworfen und dort Verbrechern überlassen, die sich ihre genetisch gesteigerte Körperkraft, Zähigkeit und Körpergröße zunutze machten, um mit ihr in etlichen Kinderkämpfen das schnelle Geld zu machen. Von dort wurde sie an russische Verbrecher mehr oder minder verkauft, die sie zur Profi-Gewichtheberin für Mütterchen Russland heranzüchten wollten – unter Zuhilfenahme von zahlreichen Drogen und einem erbarmungslosen, eher Folter ähnlichen Training. Bei der Auswahl für die olympischen Spiele jedoch fielen die Drogen bei der Dopingkontrolle sofort auf, wurde sie zum Sündenbock erklärt und für diese schändlichen Taten ins Gefängnis geworfen.

Über Umwege und nur durch die Hilfe von Humanoidenfreunden fand sie ihren Weg nach Deutschland, sollte dort als Maskottchen einer Sportmannschaft arbeiten, verfolgte gleichzeitig aber ihre eigene Sportkarriere weiter. Als jedoch beides in Konflikt miteinander trat und sie sich zudem beim Training auch noch eine Beinverletzung zuzog, verlor sie zuerst ihre Anstellung als Maskottchen, musste dann auch ihren eigenen Sport aufgeben. Um dennoch über die Runden zu kommen und ihre Schulden, die ihr durch die medizinischen Behandlungen entstanden waren, abbezahlen zu können, ergriff sie den erstbesten Strohhalm und ging in einer Autowerkstatt in die Lehre. Hier rottet sie nun mehr oder minder bei einem desinteressierten, cholerischen Chef und relativ faulen, humanoidenfeindlichen Arbeitskollegen vor sich hin, versucht ihre Kredite abzustottern, während ihr selbst zum Leben nicht mehr sonderlich viel bleibt.

Samira ist arm, ringt jetzt Tag aufs Neue damit, sich irgendwie versorgen zu können, kann sich meistens nicht einmal das Wesentlichste zu Essen leisten. Um nicht zu verhungern durchwühlt sie an Sonntagen – dem einzigen freien Tag in der Woche – die Müllcontainer der umliegenden Supermärkte, um weggeworfene, abgelaufene oder sonstige aussortierte Lebensmittel für sich ergattern zu können. Kleidung hat sie nur wenige – und die Kleidung, die sie hat, ist entweder nicht genau ihre Größe, ist abgetragen, verschlissen oder schon mehrmals geflickt. Die Gründe hierfür sind zum einen die Tatsache, dass sie eine Humanoide ist und damit eine leicht andere Anatomie als Menschen hat, zum anderen die Tatsache, dass sie selbst für einen Humanoiden eine doch recht außergewöhnlich hohe Körpergröße von etwa 2,26m besitzt. Einzig ihre Schuhe sind wirklich ihre Größe und genau für sie geschneidert, stammen sie doch noch aus der Zeit, als sie gerade nach Deutschland gekommen war und BEVOR alles bei ihr den Bach runtergegangen ist. Trotz eines Alters von fast fünf Jahren und dem Umstand, dass sie sie fast täglich trägt, sehen sie noch außerordentlich neu aus, was im krassen Gegensatz zu ihrem restlichen Äußeren steht.

Aufgrund eines Arbeitsunfalls mit einem geplatzten Klimakompressor hat sie eine schwere Verätzung an den Augen erlitten, ist sie nun seit zwei Jahren auf eine Brille angewiesen, die ihre starke Kurzsichtigkeit ausgleicht. Leider wurde durch die Verätzung auch ihre ansonsten für Felidae typische, gute Sichtstärke bei Dunkelheit vollständig zerstört, ist sie nun nicht nur in Dunkelheit gänzlich blind, bereiten ihr bereits Dämmerung oder stark schattige Flächen arge Sichtprobleme.

Ihre größten Leidenschaften sind und bleiben Bewegung an der freien Luft und die Musik, wobei sie bei Letzterer Jazz und klassische Musik, beides möglichst ohne Gesang, bevorzugt. Beidem gemein ist, dass es möglichst ohne irgendeinen Bezug zu Menschen oder menschlicher Interaktion sein soll – je toter, leerer, abgeschiedener es ist, umso mehr mag sie es, umso mehr öffnet sie sich. Für sie ist das eine Flucht aus ihrer größten Angst: Der Umgebung der Menschen und den Menschen selbst. Die Traumata aus ihrer Vergangenheit wiegen schwer – und trotz ihrer imposanten Größe, Körpermasse und der Tatsache, dass sie eine beeindruckende Körperkraft aufzubieten hat, hat sie geradezu Todesangst vor Menschen – insbesondere Männern – entwickelt. Panikattacken setzen ihrer Gesundheit, die durch die Mangelernährung und die fehlende, sportliche Betätigung noch ein durchaus sichtbares Übergewicht noch verstärkt werden, sind da nicht unbedingt hilfreich.