Silvana Humanoid

Auch im Jahre 2022 gelten Humanoide in vielen Ecken der Welt noch als eine Art „Besitztum“ für die meisten Menschen. Viele behandeln diese Besitztümer so, wie früher auch die Sklaven behandelt wurden. Aber es gibt einige wenige, dafür umso löblichere Ausnahmen.

Eine solche Ausnahme ist der Besitzer von Silvana – einer Humanoiden, die von eben jenem Besitzer explizit in einem Labor in Auftrag gegeben wurde – wie er es geschafft hat, die Behörden davon zu überzeugen, damit er die notwendige Genehmigung, sich in einem Genlabor in Australien einen eigenen Humanoiden herstellen zu lassen, hat er ihr allerdings nie etwas gesagt. Nur eines hat er ihr verraten: Das er ihr niemals Schaden zufügen und stets nur das Beste für sie wollen würde.

Jedenfalls wurde Silvana nach den genauen Vorstellungen ihres Besitzers gefertigt. Er wollte eine humanoide Gepardin mit silbernen Fell, langen, ebenfalls silbernen (allerdings einige Nuancen dunkler) Haaren, einem athletischen Äußeren, großen, braunen Augen einer für Menschenfrauen normal großen (und für Geparden-Humanoide ungewöhnlich großen) Oberweite, scharfem Verstand und einer ordentlichen Intelligenz, die dem von anderen Humanoiden überlegen sein sollte. Diese vielen, kleinen und großen Anpassungen sowie völligen Abweichungen von den regulären Werten gepard-humanoider Gene führten allerdings zu etlichen kleineren und größeren Anomalien während des Fertigungsprozesses; die Markierungen auf ihrem Fell hatten so nicht mehr das gewohnte Schwarz, waren ebenso wie die Ballen an Händen und Füßen nun dunkelblau gefärbt, ihre Lunge war nur halb so groß gewachsen, wie sie eigentlich sein sollte und beide Knie- und Sprunggelenke in ihren Beinen waren die Bänder viel zu schwach ausgebildet, wäre ein verletzungsfreies Laufen für sie äußerst unwahrscheinlich geworden. Statt auf die Ratschläge – die „Fehlproduktion“ wegzuwerfen oder mittels Bandagen für niedere Arbeiten herhalten zu lassen (immerhin war sie optisch durchaus attraktiv), beschloss ihr Besitzer, sie einigen medizinischen Veränderungen unterziehen zu lassen.

Der mit Abstand größte Eingriff fand an ihrer Lunge statt – hier wurde mittels gezielter Zucht von Stammzellen zuerst die alte, fehlerhafte Lunge entfernt und gegen eine gesunde, frisch gewachsene ersetzt. Dieser Eingriff allein war sowohl in Kosten wie auch Ausmaß eigentlich nur für Menschen vorgesehen, ein entsprechender, finanzieller Anreiz aber ließ die Doktoren den Eingriff dennoch an einem Humanoiden durchführen.

Mit nun intakter Lunge blieben nur noch die unbrauchbaren, viel zu schwachen Bänder in Knien und Sprunggelenken. Statt diese Einschränkungen, die sie für den Rest ihres Lebens mit zahlreichen Problemen konfrontiert hätten, wurden ihre Gelenke in einer einzigen Operation durch minimalinvasive Eingriffe gänzlich dadurch stabilisiert, dass die defekten Bänder entfernt und gegen kohlefaserverstärkte, künstliche Bänder ersetzt wurden. Im Verlauf der Heilung würde das natürliche Gewebe dieses extrem stabile und nahezu unzerstörbare Kunstgewebe umgeben – ein Prozess, der dank Drängen ihres Besitzers künstlich beschleunigt und so binnen weniger Stunden abgeschlossen werden konnte. Das Resultat: Durch die Eingriffe waren ihre wesentlichen „Mängel“ nicht nur beseitigt, dank der Modifikationen waren ihre Knie und ihre Sprunggelenke sogar noch zehnmal stabiler, als sie auf natürlichem Wege jemals hätten werden können – Zerrungen, Dehnungen oder Risse waren so nahezu ausgeschlossen.

Diese vielen Eingriffe führten allerdings auch dazu, dass Silvana zu einem überaus teuren Humanoiden wurde – obwohl ihr Besitzer nie ein Wort über den Preis, den er für sie bezahlt hatte oder welche Kosten angefallen waren, verlor. So blieb nur zu schätzen, dass allein die Behandlungen mindestens einen siebenstelligen Betrag gekostet haben mussten. Aber auch das war nur eine Schätzung.

Silvana, die optisch wie auch vom biologischen Alter her knapp unter 20 zu sein scheint, dient ihrem Besitzer als Assistentin in seinen Geschäften. Ihr durchaus hoher Intellekt und ihre Auffassungsgabe helfen ihr dabei, die Geschicke seines Unternehmens zu leiten. Darüber hinaus begleitet sie ihn stets auf Geschäftsreisen, wobei sie beweist, dass sie nicht nur überaus intelligent, sondern auch raffiniert agieren kann. Es ist ihr so beispielsweise nicht verborgen geblieben, dass ihr Körperbau und ihr gesamtes Aussehen höchst attraktiv auf die vielen Geschäftspartner wirkt. Das wiederum nutzt sie nur zu gern, indem sie bei Geschäftsterminen Kleidung wählt, die ihre Linien, ihre Kurven und ihre Reize noch weiter betonen und hervorheben. Es existieren zwar reichlich Regularien darüber, wie sehr und wo Humanoide bekleidet zu sein haben, über Farbe und Material dieser Kleidung aber existieren nur wenige bis gar keine Regeln. Konsequenterweise trägt sie daher häufig Kleidung, die fast den selben Silberton wie ihr Fell hat, besitzt sie sogar T-Shirts, Blusen und Jeans, die ein zumindest ähnliches Tupfenmuster wie ihr Fellmuster aufweisen. Nur in ihrer Freizeit und beim Sport – den sie überaus regelmäßig und intensiv ausübt, um ihre athletische Figur zu halten (sie läuft mindestens 20 Kilometer am Tag), weicht sie von dieser Regel ab, ist ihre Kleidung primär schwarz, blau und höchstens mit Akzenten anderer Farben.

Wer sich darüber hinaus über ihren Nachnamen wundert: Es ist ein Platzhalter-Nachname, der sie als 100%ig im Besitz eines Menschen deklariert. Er zeigt ihr dies zwar nie und besteht, wenn sie unter sich sind, auf keinerlei Kennzeichnung, in der Öffentlichkeit jedoch trägt sie daher stets ein metallenes Armband am rechten Handgelenk, in dem sowohl ihr Name wie auch der ihres Besitzers deutlich sichtbar eingeprägt ist und das sie selbst nicht abnehmen kann.