Das Spiegelbild

Welche Rasse ist in Onlinerollenspielen übermäßig vertreten?

Richtig! Mensch. Ganz gleich, wie viele Rassen es auch geben mag, wie exotisch diese sind, welche besonderen Fähigkeiten diese auch haben mögen und wie legendär die sogar wirken, die absolute Masse aller Rassen ist und bleibt der Mensch, ganz gleich, wo man hinsieht.

Der Grund ist simpel: Ein Großteil der Spieler will sich selbst spielen, selbst ein Held sein. Da ist es auch logisch und nur konsequent, wenn Charaktere in Büchern, in Geschichten und Co. den Autor repräsentieren – sei es in Sachen Moralvorstellung, in Optik, Fähigkeiten oder einer Mischung aus allen diesen Punkten. Es ist der einfache Weg – aber eben auch der Langweilige.

Tatsächlich macht diese Gestaltung eines Charakters die Geschichte vorhersehbar, denn der Hauptcharakter wird tun, was sein Erschaffer tun würde, wissen, was sein Erschaffer weiß und sich stets so verhalten, wie der Autor sich selbst verhalten würde. Wirkliche Hardcorespiegelbilder modellieren sogar ihr eigenes Aussehen im Charakter nach. Kurzum: Man nutzt so wenig Kreativität, wie man nur kann und kopiert stattdessen, schreibt, als würde man ständig in den Spiegel schauen und beschreiben, was man dort sieht.

Das sich der Autor damit weitestgehend selbst mit seiner kreativen Natur im Weg steht, ist offensichtlich, umgekehrt kann es auch eine Stärke sein, da man die eigenen Stärken so ideal anbringen kann. Jedoch verbaut man sich zugleich den Weg, Dinge zu versuchen und zu lernen, die man vorher nicht gewusst hat.

Die Erschaffung von Charakteren und Welten geht stets mit viel Recherche einher, um auch konsistente Welten und Persönlichkeiten zu erschaffen. Warum man dann nicht noch den Extraschritt geht, um dem Charakter Dinge zu geben, die eben über das, was das Spiegelbild ausmacht, hinausgehen, erschließt sich wohl lediglich dem Erschaffer seines Spiegelbilds.