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Ein paar Hintergründe

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Es wird vielen nicht aufgefallen sein, aber von meiner Lugiadame gab es lange Zeit überraschend wenig Bilder, in denen sie mit Bandage zu sehen ist.

Ein Wettrennen beim Red Bull Air Race. Sie hat natürlich gewonnen

Stattdessen sieht man sie eben eher in solchen Szenen wie jener hier, in der sie ohne Bandage, dafür aber gut erkennbare Schwellung des Sprunggelenks, an Wettbewerben teilnimmt. Zwar bemüht sie sich dabei, ihre verletzte Pfote so gut es geht vor der Öffentlichkeit zu verbergen (sie ist durchaus schon gesehen worden, wie sie mit weißer Schminke versucht hat, den Bluterguss zu kaschieren. Bringt aber nur wenig, wenn sie in der Nähe von Gewässern fliegt und die Gischt, der Schweiß, der Fahrtwind oder schlicht die normale Luftfeuchtigkeit die Farbe ablösen, verwischen lassen oder sonstwie auflösen), aber auch das gelingt ihr nur selten wirklich gut.

Landeanflug am Strand. Sie hat bewusst Sand gewählt, da dieser weicher und damit gelenkschonender ist

Bedeutet dann aber auch, dass sie bei Starts und Landungen ohne Stützverband auskommen muss. Zwar versucht sie den Mangel bei jedem Lande- und Startversuch irgendwie auszugleichen (möglichst weiche Untergründe, Gewicht entsprechend verlagern, den Schwanz einbeziehen – halt alles, was man machen kann, um die Landung sanfter und mit weniger Belastung für das linke Bein auszuführen), aber darauf, mit ihrer linken Pfote tatsächlich aufzusetzen, kann sie – der anatomischen Geometrie von Lugia allgemein geschuldet – nicht verzichten. So passiert es, dass sie früher oder später eben die Pfote aufsetzen muss…

Das lädierte Sprunggelenk gibt nach, das Außenband reißt und nur Augenblicke später liegt sie bäuchlings im Dreck. Das im Bild ist, nebenbei, ihr 17. Bänderriss (und ja, es folgen noch weitere)

Und genau das hat dann mit nahezu 100%iger Sicherheit die Konsequenz, dass ihr linkes Bein nachgibt, ihre eh schon lädierten Außenbänder entweder überdehnen oder gar erneut reißen.


Viele Alternativen zu diesem Szenario hat sie nicht. Und ich wollte einmal versinnbildlichen, was denn die naheliegendste Alternative wäre. Nämlich die: „Flieg halt mit Bandage du Trottel!“

Luane im Flug auf etwa 8 Kilometer Flughöhe (24.000 Fuss, für unsere Aeronauten). Aktuelle Reisegeschwindigkeit: 465 km/h (250 kts)

Wie man sieht: Ja, es ist MÖGLICH. Aber nur, weil etwas technisch möglich ist, ist es noch lange nicht gut.

Zunächst einmal das grundlegenste Problem: Ein Stützverband, der ein Umknicken verhindern soll, ist relativ robust und steif ausgestaltet. Richtig angelegt unterbindet er etliche Bewegungen und macht das Gelenk unbeweglicher. Das ist quasi DIE Kerndisziplin eines Stützverbandes: Das Gelenk ruhigstellen und stabilisieren. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass das Gelenk in EINER Position mehr oder minder fixiert ist – nämlich grob im rechten Winkel zum Schienbein. Das ist auch bei ihr der Fall, wobei der Verband aufgrund von Größe, Alter (Bandagen in der Größe, die sie braucht, gibt es nicht von der Stange. Das sind Einzelanfertigungen, die sie entsprechend lange trägt. Entsprechend altert das Material auch merklich, insbesondere bei Flügen in großen Höhen, wie die UV-Strahlung nochmal stärker ist, leidet das Material sichtlich) und der Tatsache, dass sie sich eben nichts abschnüren will, zumindest noch ETWAS Bewegungsfreiheit gestattet. Die beschränkt sich allerdings auf maximal 5 Grad in jede Richtung.

Der Stützverband stützt wunderbar, macht das Gelenk aber immobil. Die Folge: Die Pfote bleibt voll im Wind, erzeugt einen beachtlichen Luftwiderstand….und beginnt zu vereisen.

Im Flug legt ein Lugia die Beine dicht an den Körper, um den Luftwiderstand auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu werden die Pfoten voll nach hinten durchgestreckt – der Winkel im Sprunggelenk erreicht so fast 90 Grad und damit eine beinahe gerade Fläche, die im Schatten der etwas massigeren Oberschenkel keinerlei Luftwiderstand mehr bietet. Luane schafft aufgrund der Verletzung selbst ohne Bandage zwar nur noch etwas über 80 Grad mit ihrem linken Bein, mit Bandage jedoch sinkt der Wert auf knapp unter 50 Grad – und damit steht die Pfote voll im Wind, prallt der Fahrtwind auf die flache, lange Pfote und erzeugt sowohl an der Front, besonders aber direkt hinter der Pfote, einen recht enormen Luftwiderstand von einigen Dutzend Kilogramm, die an ihr ziehen. Zusätzlich bewirkt der enorm scharfe Luftstrom, der an den Zehen und den Pfotenseiten scharfe Abrisskanten vorfindet, eine rapide Absenkung der Oberflächentemperatur, so dass sich die Luftfeuchtigkeit darauf nicht nur absetzen kann, sondern ziemlich schnell zu einer dünnen Eisschicht gefriert.

Feuchtigkeit, die nicht direkt gefriert, wandert zudem weiter nach oben zur Bandage, die sich ihrerseits mit Feuchtigkeit vollsaugt (selbst imprägnierte Stoffe haben eine Grenze, wieviel Feuchtigkeit sie abzuwehren in der Lage sind. Danach saugen auch diese sich langsam mit Feuchtigkeit voll und werden schwerer und schwerer.

Die Konsequenzen sind für Außenstehende nur schwer zu erkennen, für sie aber überaus deutlich spürbar: Bringt es der Stützverband im trockenen Zustand schon auf gut 2-3 Kilogramm (und damit rund 1,5% ihres Körpergewichts), steigt das Zusatzgewicht bei einer vollgesogenen, nassen Bandage auf über 6 Kilogramm an. Weitere 2-3 Kilogramm kommen noch durch das Eis hinzu, womit das Extragewicht von fast 10 Kilogramm (knapp über 5% ihres Körpergewichts) an einer der ungünstigsten Stellen (nämlich links hinten) ihren Körperschwerpunkt relativ unangenehm wandern lassen, ihre Fluglage destabilisieren und sie zudem zu einer sanften Linkskurve zwingen. Der zusätzliche Luftwiderstand, der ebenfalls an der linken Seite zieht, verschärft den Linksdrall noch weiter, weswegen sie im einfachen Geradeausflug IMMENS nach rechts korrigieren muss, um noch einen Geradeauskurs halten zu können, während ihr langsam die Zehen abfrieren.

Über kurze Distanzen mag ein Flug unter solchen Umständen zwar noch akzeptabel sein, auf längeren Strecken oder bei Wettbewerben, in denen sie ihre volle Konzentration und ihr ganzes Talent braucht, führen die Schmerzen und die einseitige Überbeanspruchung dazu, dass sie bereits nach kurzen Strecken Pausen einlegen muss, da sie andernfalls weitere Verletzungen riskiert.

Es ist bei ihr also eine stete Abwägung: Riskiert sie einen erneuten Bänderriss im Knöchel, oder riskiert sie eine Schulterverletzung, die ihre Lage sogar NOCH weiter verschärfen würde?

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