Olivier van Mernue

Hoch gebaut, schwarze Haare, Pferdeschwanz, glattrasiert und zumeist mit Freizeitsakko bekleidet wirkt Olivier wie ein typischer Mann in der Mitte seiner Dreißiger. Ein Mann, dessen Villa in einem unscheinbaren Vorort von Koblenz keinen Anschein vermuten lässt, was er beruflich macht oder wo er wohl das Geld für ein Haus, das die umliegenden Gebäude bei weitem überragt, dessen Holzfassade und aus feinstem Messing gearbeiteten Balkone und Geländer eindrucksvoll erscheinen und einen Hauch von Frankreich in sich tragen.

Kurzum: Kaum einer würde ahnen, dass dieser Mensch, dessen Auftreten im ersten Moment lautstark nach Investmentbanker, Immobilien-Mogul oder Mafia-Boss schreit, tatsächlich einer der führenden Köpfe bei der Sequenzierung des menschlichen Genoms war, sein junges, vitales Auftreten sein wahres Alter dagegen verschleiert. Selbst wenn er seine Doktorarbeit, die auf den 4. März 1978 datiert ist, zum Beweis vorlegen würde, der Glaube daran, es mit einem Mann, der im Jahre 1949 geboren wurde, zu tun zu haben, wäre nicht vorhanden. Auch nicht, wenn man sich anhört, welche Verwicklungen und Leistungen er auf dem Feld der Genetik vor rund zweieinhalb Jahrzehnten vollbracht hat – und wie dank seiner Arbeiten tausende von nun fast hilflosen Wesen, denen selbst die essentiellsten Bürgerrechte abgesprochen werden und die, obwohl ihre Intelligenz außer Frage steht, wie Tiere – oder schlimmer noch: Wie Sachen – behandelt werden.

Zu gern hätte er etwas an diesem Missstand behoben, wollte er es besser machen als jene Wissenschaftler, deren Erkenntnisse einst für den Bau der Atombomben verwendet wurden, doch ein Mann allein, ganz gleich, welche Mittel er auch besitzen mochte, würde lange brauchen, um in der Welt einen Unterschied zu machen. Gleichwohl macht er sich bis heute noch Vorwürfe für die Arbeiten, die nun schon so lange zurückliegen, dank denen sich der Mensch dazu hatte empor schwingen können, Gott zu spielen und mit der Schöpfung zu veranstalten, was ihm beliebte.