Tasha – die dunkelgraue Drachin

Auf den ersten und auch den zweiten Blick sagt man, wenn man diese Drachin erblickt: „Ja, das ist ein böser Drache! Töten wir ihn.“. Auch auf den dritten Blick und damit die Hintergründe der Schuppen, die sich im Laufe der Zeit von ihrer ursprünglichen, blauen Färbung in ein immer dunkleres Grau verfärbt haben, wird man wohl zu diesem Urteil kommen – ist es doch die Art der Magie, mit der diese Drachin seit nun zwei Jahrhunderten experimentiert und intensiv arbeitet: Lebens- und Todesmagie.

Die Bezeichnung als „Nekromantin“ ist auf sie in gewisser Weise zutreffend. Und doch, auch wenn alle Anzeichen dafür sprechen, dass es sich um ein finsteres Wesen und einen Diener der Niederhöllen handelt, man davon ausgehen könnte, dass sie ihre untoten Legionen ausschickt, um Dörfer auf der Suche nach neuen Leibern und neuem Material für ihre Experimente zu schleifen, so könnte man nicht weiter von dieser Annahme entfernt sein.

Tasha – der Name, den sie sich gegeben hat, damit man sie nicht länger mit „du Monster“ ansprechen muss (weil ja, auf Dauer ist so etwas dann doch ein wenig verletzend) – ist eine intensive Studentin der Fäden des Lebens, hat sich viel mehr darauf spezialisiert, Seelen auf der Flucht aus ihren toten Leibern einzufangen, um die Todesursachen der Körper herauszufinden, diese Ursachen zu beseitigen und Wesen neue Essenz, neue Lebensenergie zu schenken. Das diese Geschenke nicht ohne Preis ablaufen, man hierfür das Leben anderer Wesen anzapfen, von Pflanzen, von Steinen, von bösen Kreaturen nehmen und „transferieren“ muss, ist nun einmal äußerst unheilige Magie der Sorte Tod und Leben.

Ein Bösewicht ist Tasha somit in der Tat ganz und gar nicht. Ihr recht dünner und kleiner Körper für einen Drachen mag zwar auch äußerlich den Eindruck erwecken, aber so mundane Dinge wie „böse-sein“ sind ihr schlicht und ergreifend zu dumm. Und nein, eine gute Drachin ist sie ebenfalls nicht – und schon gar keine Heldin. Sie handelt nach ihrem eigenen, moralischen Kompass und tut, was sie denkt, das gut ist. Das erklärt dann auch, warum regelmäßig Kämpfer kommen, um Jagd auf sie zu machen. Doch das wiederum sieht sie als praktisch und nützlich an. Denn diese Wesen sind dann die idealen Spender von Lebensenergie für jene Wesen, die sie als „wertig“ erachtet.