Energie, Energieverbrauch, Energiekonsum, Energiequellen

„Man hat die Glühbirnen verboten, weil die zu viel Strom verbrauchen. Und jetzt sollen wir plötzlich alle E-Auto fahren. So viel zum Thema Energiesparen“

Ja, dieses Zitat habe ich schon in den unterschiedlichsten Varianten gelesen, sei es in Meme-Bildchen, in Form von Retweets oder losen Zitaten. Allen ist eines gemein: Es ist kurz, es ist catchy, es ist flach und es ist falsch (wie so ziemlich immer, wenn man Zusammenhänge derart heftig verkürzt). Doch weshalb ist es falsch?

Um den Fehler zu verstehen, muss man den Begriff „Energie“ erst korrekt definieren. Energie benötigen wir nämlich in vielerlei Varianten in unserem täglichen Leben. Sei es Bewegungsenergie in Form von unserem Fortbewegungsmittel, Wärmeenergie bei unserer Heizung oder für das Warmwasser unserer Dusche und elektrische Energie, damit wir unseren Kaffee kochen können und das ganze auch bei Licht machen dürfen, wenn draußen mal gerade keine Sonne scheint.

All diese Energie gewinnen wir aus verschiedenen Energiequellen: Fortbewegung aus Benzin, Diesel oder Autogas, Wärme aus Erdgas, Kohle, Öl oder Holz und Licht aus Strom. All diese Energiequellen wiederum haben ebenfalls einen „Hintergrund“, den man betrachten muss – nämlich die Erzeugungs- und Transportenergie. Schließlich wollen wir diese Energie bzw. Energiequellen auch bei uns daheim haben.

Erst wenn wir alle diese Energiequellen, deren Erzeugungsenergie und Transportenergie zusammengefasst haben, können wir den wahren Energieverbrauch für unser Leben beziffern.

Eine letzte Komponente des Energieverbrauchs, den man ebenfalls berücksichtigen muss, ist der Energieverbrauch, der für unseren Konsum anfällt. Hiermit meine ich nicht nur den Einkauf bei Amazon und Konsorten, sondern auch die Herstellung von Artikeln bspw. in China und Transport bis zu unserer Türschwelle, die Herstellungs- und Transportaufwände für alle unsere Lebensmittel, des täglichen Bedarfs und auch die Wartungs- und Reparaturkosten für unser Wohnen und Leben. Erst wenn wir wirklich ALLE diese Faktoren betrachten, kann man einen sogenannten „Fußabdruck“ berechnen. Der wird gern verkürzt als „CO2-Fußabdruck“ bezeichnet, wobei hier der aktuelle Stand der Herstellung und des „üblichen“ Energiemixes angenommen wird.

Gehen wir nun einmal mit diesen Gedanken zurück zu dem ursprünglichen Zitat und betrachten wir die Aufwände:

Bei unserem normalen Auto (nehmen wir mal an, wir fahren Benziner) braucht es:

  • Die Energie, das Fahrzeug herzustellen
  • Die Energie, Öl aus dem Boden zu fördern
  • Die Energie, das Öl vom Ort der Förderung zur Raffinerie zu transportieren
  • Die Energie, das Öl zu raffinieren
  • Die Energie, den raffinierten Sprit zur Tankstelle zu fahren
  • Die Energie, die Tankstelle zu betanken
  • Die Energie, zur Tankstelle zu fahren
  • Die Energie, den Wagen zu betanken

Die genauen Werte für jeden einzelnen Posten dieser Energieverbräuche hält die Mineralölbranche leider ziemlich gut unter Verschluss. Was einem aber von vornherein klar sein sollte, ist eben die Tatsache, dass jegliche Umwandlung des Energiemediums (von Öl zu Strom bspw.) stets mit einem „Verlust“ (nein, Energie geht nicht verloren. Aber die NUTZBARE Energie für uns sinkt – der „Verlust“ wandert als Abwärme in die Umwelt und wäre für uns somit „verloren“) einhergeht. Durch die vielen Einzelschritte sieht man somit, dass dieser Verlust sich SEHR stark addiert. Etliche Experten sehen daher einen Energieaufwand von rund 7 Kilowattstunden je Liter Superbenzins gegeben (mehr Hintergründe findet man bspw. hier zum nachlesen).

Betrachten wir nun den Vergleich mit einem Elektrofahrzeug:

  • Die Energie, das Fahrzeug herzustellen
  • Die Energie, die Traktionsbatterie (ja, der Akku von einem Elektrofahrzeug wird wirklich so genannt) herzustellen
  • Die Energie, den notwendigen Strom herzustellen
  • Die Energie, die durch Leitungsverluste bei Umtransformation in Wärme umgewandelt wird
  • Die Energie, die durch das Aufladen in Abwärme umgewandelt wird

Man sieht: Selbst wenn man die Batterie als eigenen Zwischenschritt betrachtet (in diesem Fall hätte ich im obigen Beispiel noch die Herstellung des ganzen Verbrennungsmotortraktes inklusive Abgasnachbehandlung nennen müssen. Aber auch da wird es schwierig, weil kein einziger Hersteller auch nur ansatzweise Zahlen für Energieverbräuche oder benötigte Rohstoffe bei der Herstellung konkretisiert), ist ein rein elektrisches Fahrzeug in Summe IMMER energieeffizienter unterwegs. Und nein, ich habe an der Stelle noch kein Wort zum Thema Umweltauswirkungen, Schadstoffausstoß oder Verbrauch gesagt. Muss ich hier auch nicht – denn schon so sind die Zahlen recht offensichtlich.

WIE offensichtlich, sieht man auch bei der aktuellen Heizungstechnologie. Nicht umsonst erlebt die Wärmepumpe einen Boom bei Neubauten – denn im Vergleich zu den Öl- und Gaspreisen ist diese sogar bei den bei uns in Deutschland höchsten Strompreisen in ganz Europa ein echtes Geldsparwunder. Denn im Gegensatz zu den übrigen Heizungen verschwindet eben nicht ein Großteil der „Nutzwärme“ durch den Schornstein nach draußen in die Umwelt.

Bedeutet also abschließend: Wenn wir unsere Energieverbräuche auf Effizienz trimmen wollen, sollten wir, wo immer es möglich ist, eine sogenannte „Sektorkopplung“ forcieren und nur EINE Energiequelle für möglichst ALLES nutzen. Und diese EINE Energiequelle sollte eine sein, die man leicht transportieren kann, die idealerweise überall verfügbar ist und die wir klimafreundlich oder gar KLIMANEUTRAL bereitstellen können. Und diese Energiequelle ist nun einmal: Strom.

Auch diese Vereinheitlichung ist, nebenbei gesagt, nichts Neues. JEDES Militär auf der Welt (ausgenommen die Amerikaner, die sich nur zu gern von ihrer Waffenindustrie ausnehmen lassen. Aber das ist ein anderes Thema für ein anderes Mal) ist stets bemüht, so viel wie möglich zu vereinheitlichen, um so viele „Common Parts“ – also gemeinsam genutzte Ersatzteile – wie möglich in sein Gerät zu packen. Denn durch diese Vereinheitlichung sinken die Logikstikkosten, steigt die Verfügbarkeit von Ersatzteilen für alle Systeme, sind diese umgekehrt länger und zuverlässiger einsatzbereit und sinken auch die Wartungs- sowie Herstellungskosten. Warum also beharren wir so darauf, für Mobilität, Licht und Wärme drei oder vier UNTERSCHIEDLICHE Energieträger nutzen zu müssen, wenn wir doch alles mit EINEM erreichen können? Warum akzeptieren wir es, Dinge bewusst zu verkomplizieren und regen uns umgekehrt darüber auf, wenn es Versuche gibt, diesen Umstand zu beheben?