Zum Inhalt springen

Das Thema „Frieden“ – und wie es von den rechten Deppen missbraucht wird

Wir alle wollen „Frieden“. Wir wollen „in Frieden“ leben, wir wollen „in Ruhe“ gelassen werden. Das ist ein intrinsisches Bedürfnis von fast jedem Menschen.

Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Definition von eben jenen Begriffen jeweils eine andere ist. Und auch die Voraussetzungen unterscheiden sich immens. Wären diese ebenfalls „nur“ intrinsisch, alle Menschen könnten wirklich friedlich und ohne Konflikte leben. Doch die Wahrheit ist eben eine andere – und damit entsteht der Konflikt, trotz des Wunsches nach „Frieden“.

Ein Putin etwa sehnt sich auch nach „Frieden“. Aber seine Definition ist wahrscheinlich jene, dass er denkt „wenn Europa erst einmal komplett unter meiner Fuchtel steht, alle Wahlen in meinem Sinne ablaufen, das Volk denkt, was ich will, das es denkt – DANN habe ich Frieden und bin zufrieden“. – was dem Freiheitsgedanken fast aller Länder, die nicht gerade Russland sind, konträr zu laufen dürfte. Streng genommen dürften Teile dieses Freiheitsverständnisses sogar konträr zu den Wünschen der meisten in der russischen Bevölkerung laufen (denn Dinge wie freie Wahlen, freie Meinungsäußerung und freie Entfaltung gehören auch zu „Freiheit“ und „Frieden“). Dennoch kann sich ein Putin hinstellen und breit grinsend verkünden, er wolle ja nur „Frieden“ und die „anderen“ wären dagegen. Ja, gegen SEINE PERSÖNLICHE Interpretation von Frieden – denn genau diese bescheidet eben den Frieden von allen anderen.

Das ist das Problem: Es gibt nicht DEN Frieden. Er liegt stets im Auge des Betrachters.

Noch etwas radikaler sind dann etwa die Pazifisten oder Extrem-Pazifisten. Was der Unterschied ist? Simpel: Ein Pazifist sucht nicht den Konflikt, wehrt sich aber, wenn er angegriffen wird. Ein Extrem-Pazifist indes greift nicht nur nicht selbst zur Waffe, er schlägt auch nicht zurück und wehrt sich nicht einmal, wenn er angegriffen wird. Man könnte seine eigene Mutter vor seinen Augen erschießen, er würde die Hand nicht heben, sondern sich bereitwillig unterordnen. Und seltsamerweise findet gerade jene letzte Kategorie der Pazifisten gerade eine überragende Faszination in rechten Parteien, die sich groß als „Friedenspartei“ aufspielen.

Das diese Parteien genau dieses Framing verwenden, ist raffiniertes Kalkül. Würde man sie dafür angreifen, wäre ihre Abwehr ein simples „Ach, bist du etwa nicht für Frieden? Du Kriegstreiber du!“. Sie machen es sich leicht, indem sie etwas, was in vielen Grautönen nuanciert ist, mit einem dicken, fetten Eimer schwarzer Farbe in ein simples, binäres Gewand zwingen. Statt sich selbst als Extreme mit einer Extremforderung zu erkennen, sind alle um sie herum Extremisten. Und so ist es dann auch sehr leicht, jene, die sich gegen einen Angriff wehren, selbst als Kriegstreiber zu flaggen. Denn, wenn man wirklich ALLES an Nuancen und an Attributen weglässt, passt die Logik in ihren Köpfen ja. Schließlich gilt für sie „wer kämpft, ist aggressiv. Und weil die sich wehren, kämpfen sie. Würden sie sich nicht wehren, wäre der Kampf vorbei. Sie sind also schuld“. Das man die Realität durch dieses kreative Verkürzen und Vereinfachen pervertiert, fällt entweder nicht auf, oder ist ihnen bewusst egal.

Published inaktuelle Themen

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert