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Technischer Einschub – HIVE – oder H.I.V.E.

Die erste und mittlerweile wichtigste Entwicklung von Kaito, die er bereits während seines Studiums begonnen, zum Abschluss in unzähligen Prototypen dann schließlich fertiggestellt hat, ist ein unscheinbares Armband, das jeder Humanoide der neueren Serie um das linke Handgelenk trägt. Das „Humanoid Identification and Vital Monitor Equipment” ist dabei nur der visuelle Teil von einem ganzen System an Modifikationen und einer umfassenden Integration in den Humanoiden. Im Wesentlichen aber ist es das klarste und von außen erkennbare Indiz, dass dieser Humanoide einer bestimmten Person zugeordnet ist, gleichzeitig Ausweis, Überwachung, Kontrollinstrument, Karteikartensystem, Kommunikator und Life Tracker.

In der Prototypfassung besaß das HIVE lediglich ein einzelnes, längliches Display für Anzeige des zugeordneten Menschen, Informationen über den Humanoiden und dessen identifizierendes Portrait. Diese Edition trägt Kaito auch heute noch, hat für den Marktstart allerdings entschieden, die Displaytechnologie zu wechseln und stattdessen auf drei dedizierte e-Ink-Displays zu setzen, bei denen jedes jeweils einen eigenen Zweck erfüllt – das obere für Portrait und Daten über den Eigentümer des Humanoiden, das untere als Ausweisdokument und Portrait des Humanoiden und das mittlere für alle interessanten Informationen wie Uhrzeit, Datum, Termine, Puls und dergleichen. Mit den Jahren wurde die Displaytechnologie noch mehrmals gewechselt – von e-Ink wieder hin zu LDF, dann zu OLED, bis man schließlich dabei blieb, das obere und untere Display fix als e-Ink zu realisieren, das mittlere aber gegen einen Hologramm-Projektor zu tauschen. Damit wurde es für Humanoide sogar erstmals möglich, einen echten, praktischen Nutzen aus dem HIVE zu ziehen – denn es integrierte auch Videotelefonie, Videostreaming, das ordentliche Konsumieren von Onlineinhalten und sogar einige Spiele wurden darauf realisiert. Alles, je nach Bedarf und Wunsch ihres Eigners beliebig freigeb- und sperrbar.

Und hier kommen wir auf den eigentlichen Kern des HIVE: Die Kontrolle. Damit das HIVE überhaupt funktionieren kann, trägt jeder Humanoide zahllose Sensoren im Körper verteilt, die allesamt bei der Erschaffung fix und tief im Körper integriert werden und so Teil des Körpers sind. Winzige biomechanische Sensoren melden so Daten über Puls, Blutzucker, Blutdruck, Überwachung bestimmter Substanzen und Stressmarker, um nur einige der Funktionen zu nennen. Die Sensoren dienen gleichzeitig auch dazu, die normale, körpereigene elektrische Energie an das HIVE zu leiten und es damit im laufenden Betrieb immer wieder aufzuladen, so dass der Ring ohne einen großen, schweren und wartungsanfälligen Akku auskommt. Und sie ermöglichen gemeinsam eine sehr zuverlässige Ortung des Humanoiden für den Besitzer, der über eine App auf seinem Smartphone, einem beliebigen Smart-Device oder auch über den Login auf dem NGI-Portal jederzeit den genauen Standort des von ihm registrierten Humanoiden anzeigt. Durch die ebenfalls via Beacons und Nutzung der Ortungsdaten anderer Smart Devices in der näheren Umgebung des HIVE ist die Ortung sogar innerhalb geschlossener Räume und fernab von Satellitenempfang überraschend präzise, erreicht sogar eine Genauigkeit von wenigen Zentimetern.

Als letzte Sicherheitsstufe – und damit auch das absolute Ultima Ratio des HIVE in Sachen Sicherheitsfunktionen – ist der zugeordnete Mensch, Betreuer oder Besitzer auch in der Lage, für den Notfall ein „Aus“-Signal an den Humanoiden zu senden, wodurch dieser, in der niedrigsten Stufe, lediglich einen empfindlichen, schmerzhaften, aber sonst eher harmlosen Schlag erleidet. Höhere Stufen führen zu temporärer Lähmung, zu Bewusstlosigkeit, oder – in der höchsten Stufe, die nach einer expliziten Warnung verfügbar wird – sogar zum sofortigen Ableben des Humanoiden. Gerade diese letzten Optionen sind für die Marketingabteilung ein wahres Juwel und für eher zweifelnde Kunden das letzte, ausschlaggebende Kriterium, um sich doch für einen solchen Humanoiden einzusetzen. Für Kaito, der diese Funktion nur mit sehr viel Widerwillen integriert hat, ist es indes ein Graus. Aber ein Graus, das er mit seinen eigenen Händen integriert hat.

Als Einschränkung bzw. als Teil der Architektur bleibt NGI allerdings stets wichtiger Mittelsmann. So laufen Verbindungen und die Lokalisierung der Humanoiden über die Server von NGI, der Zugriff auf die Funktionen der Humanoiden ebenfalls und die gesamte Registrierung sowie die Zuordnung des Besitzers, der Verkauf, die Abtretung, die Freilassung oder die Neu-Unterordnung eines Humanoiden wird ebenfalls in einer zentralen Datenbank gewährleistet. Ein Service, der in den ersten fünf Jahren vollständig kostenlos und in der Bereitstellung des Humanoiden enthalten ist. Danach jedoch sind nur noch die Registrierung und Beibehaltung des Humanoiden in der Datenbank inklusive. Alles weitere – inklusive dem Auffinden, der Ruhigstellung mittels Signal und sogar das Außer-Dienst-Stellen – erfordert ein monatliches, allerdings relativ günstiges, Onlineabo, das mit Gebühren verbunden ist.

Published inWeekly Story

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